Cast & Crew

„Hartwig Seeler“ Hauptdarsteller – Matthias Koeberlin: „Vertrauen ist der Schlüssel zum Erfolg“

Spannendes Krimidrama

 

Am Samstag wird es spannend im Ersten. Matthias Koeberlin (45) verkörpert Privatdetektiv Hartwig Seeler, welcher sich auf eine spannende Ermittlungsreise begibt. Wir sprachen mit ihm über die herausragende Verfilmung von Johannes Fabrick und die Dreharbeiten.

 

Herr Koeberlin, Sie sind erneut in einer ermittelnden Rolle zu sehen. Was war der Grund für die Zusage dieser Rolle?

Der Grund für die Zusage war zum einen die erneute Zusammenarbeit mit Regisseur Johannes Fabrick. Zum anderen mochte ich das Drehbuch sehr, da es kein klassischer Krimi, sondern eher ein Drama ist. Außerdem fand ich es sehr spannend, mich mit den Themen gefälschter Erinnerung und Hypnose zu beschäftigen, was mir bis dato völlig unbekannt war. Und natürlich meine Figur Hartwig Seeler reizte mich so sehr, dass ich nicht lange für die Zusage überlegen musste.

Hartwig Seeler beendet seine Polizeikarriere aufgrund des Todes seiner Ehefrau und wird Privatdetektiv. Er begibt sich nicht nur auf die Suche nach der verschwundenen Evelyn, sondern findet am Ende selbst die Lösung für eines seiner großen Probleme. Wie erlebten Sie seine Entwicklung?

Es ist eine große Reise, die er mit seinem eigenen Rucksack durchlebt. Durch den Tod seiner Frau sind bei ihm viele Fragen offengeblieben. Er weiß nicht, ob es ein Unfall oder doch ein Suizid war. Eigentlich geht er auf die Reise, um in beruflicher Sicht, Antworten zu finden. Gleichzeitig sucht er aber nach Antworten für sich selbst. Das macht ihn sehr bipolar und die Figur unheimlich spannend.

Seeler muss sich mit zwei besonderen Themen befassen – Hypnose und gefälschte Erinnerungen. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Wir hatten eine komplette Woche Zeit, um die wichtigsten Szenen zu proben und uns mit der Psychologie unserer Figur auseinanderzusetzen. Johannes Fabrick kennt sich unheimlich gut im Bereich der Hypnose aus. Zur Vorbereitung auf meine Rolle, kam ich sogar in den Genuss, von ihm hypnotisiert zu werden. Das war unheimlich spannend und half mir sehr, mich schnell in die Rolle einzufinden.

Wie lief diese Hypnose ab?

Ohne weggetreten zu sein, führte er mich durch Räume und gab mir Bilder mit auf den Weg. Auf eine ganz faszinierende Art und Weise verknüpften sich diese mit meiner Biografie. Es traten Sachen zutage, die ich selbst nicht vermutet hatte.

Matthias Koeberlin und Friederike Becht in "Hartwig Seeler"

Hypnose – ein Thema was Hartwig Seeler (Matthias Koeberlin, links) und Amanda (Friederike Becht) verbindet. Foto: ARD Degeto/Domagoj Kunic

Was haben Sie gefühlsmäßig in der Hypnose erlebt?

Eine ganze Menge. Da kam einiges hoch, was ich nicht vermutet hätte, aber mich auch dahingerafft hat. Es hat ein paar Schleusen geöffnet und es sind auch ein paar Tränchen geflossen. Wir sprachen im Anschluss natürlich darüber und ich nahm mir dann auch die Zeit, alles zu verarbeiten.

Sie sind schon sehr lange im Filmbusiness tätig und es ist relativ untypisch, sich für eine Filmproduktion rund eine Woche vorzubereiten. Wie wichtig ist solch eine intensive Phase vor dem Dreh für das Endergebnis?

Sehr wichtig! Es ist unheimlich schade, dass wir heutzutage immer weniger Zeit dafür haben. Bestenfalls wird sich mit dem Hauptcast zu einer Leseprobe getroffen. Johannes Fabrick legt jedoch sehr viel Wert darauf, dass sich das komplette Cast für eine Woche trifft. Das hilft nicht nur jedem einzelnen, den Zugang zu seiner Rolle zu finden, sondern sich auch untereinander besser kennenzulernen, was im Anschluss die Zusammenarbeit erleichtert. Automatisch bekommt es eine andere Dynamik und Atmosphäre, was sehr hilfreich für den Arbeitsprozess ist. Viele Probleme können im Vorfeld schon aus der Welt geschaffen werden. Alle haben dadurch das Gefühl, sie ziehen an einem Strang und jeder weiß, worum es geht. Es ist schade, dass solche intensive Drehproben nur noch selten der Fall sind.

Sie drehten bereits zum dritten Mal mit Regisseur Johannes Fabrick. Mir scheint es, als würde er Sie von Film zu Film anspornen und dadurch bisher unentdeckte Seiten von Ihnen zeigen. Wie schafft er das?

Es hat sehr viel mit Vertrauen zu tun. Ich lasse mich sehr gerne bei ihm fallen. Er hat eine wunderbare Art, durch seinen Humor und seine akribische Arbeit Sachen aus mir herauszukitzeln und mich dadurch über meine Grenzen hinweg zu pushen. Das Netz und den doppelten Boden, wie wir ihn gerne als Schauspieler haben, um uns auszuruhen, gibt es bei ihm nicht (lacht). Ich entdecke dadurch immer wieder neue Seiten im Spiel bei mir und bin selbst überrascht, was mit mir am Ende passiert. Wir haben irgendwie eine Verbindung, die es für uns beide wahnsinnig produktiv macht.

Hartwig Seeler bietet ein unheimliches Potential für weitere Filme. Welchen Aspekt Ihrer Figur würden Sie gerne beibehalten?

Was ich unheimlich interessant bei dem jetzigen Film fand, war, dass viele Fragen für den Zuschauer unbeantwortet bleiben. Hartwig Seeler konnte zwar seinen Frieden mit sich selbst schließen, trotzdem wird vieles in seinem Leben weiterhin mitschwingen. Sofern es einen zweiten Film geben sollte, fände ich den Aspekt sehr schön.

Matthias Koeberlin in "Hartwig Seeler"

Hartwig Seeler – eine spannende Figur, gespielt von Matthias Koeberlin. Foto: ARD Degeto/Sabine Finger

Ich sehe Sie unheimlich gerne auch in historischen Verfilmungen, wie zum Beispiel in „Charité“. Welche Figuren reizen und fordern Sie am meisten?

Die „Charité“ ist ein gutes Beispiel für Forderung. Das war für mich eine wahnsinnig spannende und tolle Arbeit. Emil Behring war eine sehr dankbare Figur, weil er von Himmel hoch jauchzend bis zu Tode betrübt, die ganze Klaviatur bedient hat. Auch Hartwig Seeler ist für mich eine sehr fordernde Figur. Generell sollten die Figuren mir sehr viel Farbe und Möglichkeiten bieten. Sie sollten nicht plakativ nur schlecht oder gut sein, denn dazwischen liegt die Wahrheit.

Wenn ich an die Filme „Vulkan“ oder „Tornado – Zorn des Himmels“ denke, haben Sie lange nur sehr grobe Figuren gespielt. Wie schwer war es für Sie nicht als „Mann für das Grobe“ gebrandet zu werden?

Die Schublade hierzulande war schnell offen und wieder zu. Mir hat es damals großen Spaß gemacht, solche Rollen zu verkörpern und ich wusste, es ist nicht für unendlich. Irgendwann kam jedoch der Punkt, dass ich nach anderen Rollen schauen musste. Dies brachte eine längere Pausenzeit mit sich, denn meist zielten die kommenden Projekte in die gleiche Richtung ab. Da hieß es so lange abwarten, bis eine Rolle mit vielen Farben angeboten wurde. Ich brauchte viel Geduld, um wieder da herauszukommen, aber ich bin jetzt sehr glücklich mit den angebotenen Rollen. Das Warten hat sich also gelohnt (lacht).

Die Filmszene hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Was hat sich ihrer Meinung nach zum Guten und Schlechten entwickelt?

Zum Schlechten hat sich der Mangel an Zeit entwickelt. Die Projekte werden von der reinen Drehzeit immer kürzer. Ein 90-Minüter hatte früher noch 26 Drehtage, wohingegen heute nur zwischen 19 und 22 Drehtage bleiben. Dementsprechend lang sind die Arbeitstage, was für uns Schauspieler durch die Pausen nicht unbedingt so schlimm ist. Für die Crew, welche permanent durcharbeitet, finde ich solche Veränderungen sehr bedenklich. Gut finde ich, die Entwicklung der Serienformate im Zuge von „Netflix“ und „Amazon“. Viele Genres werden dadurch bedient und wir wagen uns an mutige Stoffe außerhalb des typischen Krimis. Das finde ich alles sehr spannend und ich glaube, es wird in der Zukunft sehr viel Raum einnehmen.

Michael Wittenborn, Matthias Koeberlin und Caroline Hellwig in "hartwig Seeler"

Evelyn (Caroline Hellwig, rechts) verschwand spurlos, ihr Vater (Michael Wittenborn, links) und Hartwig Seeler (Matthias Koeberlin, hinten) fanden sie auf einer Insel. Foto: ARD Degeto/Djavor Bjelanovic

Der herausragende Krimi „Hartwig Seeler – Gefährliche Erinnerung“ wird am 11. Mai 2019 um 20:15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Hauptdarsteller Matthias Koeberlin und Regisseur Johannes Fabrick haben gemeinsam mit ihrem Team ein besonderes Filmerlebnis geschaffen, welches von der Ersten bis zur letzten Minute packend, spannend und gleichzeitig sehr informativ ist. Ein Muss für alle Filmliebhaber. In einem weiteren Interview spricht Regisseur und Drehbuchautor Johannes Fabrick über die Entstehung des spannenden Krimidramas.

 

„Hartwig Seeler – Gefährliche Erinnerung“

(pm) – Privatdetektiv Hartwig Seeler (Matthias Koeberlin) bekommt den Auftrag, eine spurlos verschwundene junge Frau zu finden. Ihr Vater Felix Kepler (Michael Wittenborn) vermutet eine Entführung oder ein Gewaltverbrechen. Anders kann er sich nicht erklären, warum sich seine Tochter Evelyn (Caroline Hellwig) bei ihm und seiner Frau (Michaela Caspar) seit zwei Wochen nicht gemeldet hat und auch bei der Arbeit vermisst wird. Schließlich gebe es weder Familienprobleme noch andere Gründe für die aufstrebende Anwältin, wortlos alle Brücken hinter sich abzubrechen. Hinweise auf ein Verbrechen findet Seeler jedoch nicht. Er stößt auf eine Überweisung an eine mysteriöse Selbstfindungsgruppe auf einer kroatischen Insel. Deren spiritueller Ansatz, über Hypnose den Schlüssel zu seelischen Traumata zu finden, spricht den Detektiv über seine Arbeit hinaus an, denn Seeler ringt mit dem Unfalltod seiner Frau, über dessen ungeklärte Umstände er sich seither den Kopf zermartert. Seinen unterbewussten Vermutungen stellt sich der Privatdetektiv, als er sich in das Camp der Gruppe einschleust und auf eine Hypnosesitzung mit Amanda (Friederike Becht) einlässt. Die Heilerin behandelt auch Evelyn, die sich in einem labilen Zustand befindet. Was die Ursache dafür ist, lässt Seeler an seinem Auftraggeber zweifeln: Es gibt einen schwerwiegenden Grund, warum sich Evelyn von ihrem bisherigen Leben loslösen will.