Cast & Crew

„Hartwig Seeler“ Regisseur und Drehbuchautor – Johannes Fabrick: „Eine intensive Probe erleichtert den Drehprozess“

Großes Potential für neue Filmreihe

 

Johannes Fabrick (61) gehört zu den Filmemachern, die sich gerne den harten Stoff vornehmen. Bei seinem neuen Werk „Hartwig Seeler – Gefährliche Erinnerung“ widmet sich der österreichische Regisseur und Drehbuchautor dieses Mal zwei besonderen Themen – Hypnose und gefälschte Erinnerungen.

 

Herr Fabrick, Ihr neues Werk „Hartwig Seeler – Gefährliche Erinnerung“ ist ein Krimidrama der Extraklasse. Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film mit dem Schwerpunkt Hypnose und gefälschte Erinnerungen zu entwickeln?

Zum einen ist mir das Thema falsche Erinnerungen sehr oft in Artikeln und Dokumentationen begegnet. Ich habe es sehr faszinierend gefunden, da die Erinnerung scheinbar eine der letzten Bollwerke unseres Ichs ist. Wenn nicht mal unsere Erinnerungen richtig sein können, wackelt dieses Bollwerk ganz gehörig. Zum anderen begleitet mich das Thema Hypnose schon sehr lange. Ich hatte vor Jahren einen Film mit einer Hypnose Szene gedreht und bin zur Vorbereitung zu einem Hypnotherapeuten gegangen. Nach meiner Hypnose hat mich das Thema nicht mehr losgelassen. Mit „Hartwig Seeler – Gefährliche Erinnerung“ möchte ich die Aufmerksamkeit wecken, dass wir keine Gewissheit im Leben finden können. Es aber Möglichkeiten gibt, etwas aufzudecken und wir nur keine Sicherheiten für deren Richtigkeit haben.

Wie erging es Ihnen in der Hypnose?

Es war recht schön und entspannend, ich habe mich danach sehr gut gefühlt. Sehr wohlig und freundlich mit mir verbunden. Der Hypnotiseur hat mit mir eine spannende Bilderreise gemacht. Für mich stand bei der Sitzung mehr im Vordergrund, herauszufinden, wie der Patient und der Therapeut sitzen.

Denken Sie nach der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema eher kritisch über diese Therapiemöglichkeit?

Ich sehe es keineswegs kritisch. Es ist eine wunderbare Art und Weise, mit dem eigenen Inneren in Kontakt zu treten und etwas für sich herauszuziehen. Ich glaube nur, dass man akzeptieren sollte, dass die Dinge, welche dort zutage treten, nicht 100 prozentig stimmen müssen.

Matthias Koeberlin in Hartwig Seeler

Mit „Hartwig Seeler“ ist Johannes Fabrick und seinem Team ein spannendes Krimidrama gelungen. Matthias Koeberlin verkörpert den Privatdetektiv. Foto: ARD Degeto/Sabine Finger

In „Hartwig Seeler“ geht es um einen Polizisten, welcher seine Karriere aufgrund des überraschenden Todes seiner Ehefrau niederlegt. Er wird zu einem Privatdetektiv und begibt sich auf die Suche nach einem Mädchen, welche er auf einer Insel in einer mysteriösen Selbstfindungsgruppe aufspürt. Wie entwickelten Sie ihn?

Mich interessieren immer Figuren, die mit ihrem Leben ein Problem haben. Die Geschichte mit seiner Ehefrau war für mich ein entscheidender Punkt. Ich wollte eine Figur mit ihm entwickeln, bei der nichts eindeutig ist, wie es normalerweise in der Welt ist.  Jeder ist davon überzeugt, dass etwas richtig ist. Aber durch ihn möchte ich klar machen, dass wenn man genau hinsieht im Leben, die Dinge nicht unbedingt so sind, wie sie scheinen.

Wie lange arbeiteten Sie am Drehbuch?

Insgesamt habe ich mit kurzen Unterbrechungen rund anderthalb Jahre daran geschrieben.

Johanns Fabrick bei den Dreharbeiten zu "Hartwig Seeler"

Johannes Fabrick während der Dreharbeiten zu seinem neuen Film „Hartwig Seeler“. Foto: Hager Moss Film

Matthias Koeberlin, welcher Hartwig Seeler verkörpert, hat in einem weiteren Interview erzählt, dass Sie rund eine Woche zur Probe hatten. Dies kommt leider nur noch selten heutzutage vor. Worauf achten Sie in dieser Phase als Regisseur besonders?

Wenn ich mit guten Schauspielern zusammenarbeite, ist es möglich, einen Charakter zu entwickeln. Das kann man aber nur, wenn sich der Schauspieler an die einzelnen Situationen rantasten und sie genau spüren kann. Er muss durchdenken können, welche Implikationen es gibt. Diese Auseinandersetzung mit der eigenen Figur ist mir in dieser Phase sehr wichtig.

Wie läuft die Probewoche genau bei Ihnen ab?

Am ersten Tag sitze ich mit dem gesamten Ensemble zusammen und wir lesen gemeinsam das Drehbuch. Dabei ist mir sehr wichtig, dass selbst der Schauspieler für die kleinste Nebenrolle anwesend ist. Das fördert die Zusammengehörigkeit und erleichtert die spätere Zusammenarbeit. Anschließend erstelle ich noch eine Aufstellung für die Schauspieler und deren Rolle, damit sie sich von einer anderen Seite ihrer Figur nähern können. Mir ist es sehr wichtig, dass sie sich intensiv in einem geschützten Raum und nicht unter Druck, wie es der klassische Drehtag mit sich bringt, mit ihrer Figur beschäftigen können. Außerdem gibt diese Zeit mir die Möglichkeit, über das geprobte oder besprochene nachzudenken und möglicherweise noch Änderungen vorzunehmen.

Matthias Koeberlin hat auch verraten, dass Sie ihn zur Vorbereitung hypnotisiert haben. Das Filmergebnis zeigt eindeutig, welch gute Ergebnisse mit einer intensiven Vorbereitung erzielt werden können. Wie wichtig ist diese Woche für den anschließenden Dreh?

Diese intensive Vorbereitung erleichtert den anschließenden Dreh erheblich und ermöglicht, dass wir eine optimale Leistung am Drehtag bringen können. Daher ist es für mich unerlässlich. Fehler während der Dreharbeiten, welche vielleicht einen Nachdreh erfordern, können dadurch deutlich gemindert werden.

Für mich hat „Hartwig Seeler“ ein großes Potential für eine Filmreihe. Wenn Sie noch ein Drehbuch schreiben dürften, welche Aspekte würden Sie im nächsten Fall miteinbringen?

Beim nächsten Fall würde ich gerne die Ungewissheit – wer ist Opfer, wer ist Täter – mehr in den Vordergrund stellen. Außerdem möchte ich das Hauptaugenmerk darauflegen, wann ein Opfer zum Täter wird und auf welcher Seite die Moral steht.

Helmut Pirnat, Matthias Koeberlin, Johannes Fabrick, Cosima Degler, Michael Wittenborn, Friederike Becht und Caroline Hellwig

Ein kleiner Teil von Cast und Crew bei Drehschluss – von links: Kameramann Helmut Pirnat, Hauptdarsteller Matthias Koeberlin, Regisseur und Drehbuchautor Johannes Fabrick, Producerin Cosima Degler und die weiteren Hauptdarsteller Michael Wittenborn, Friederike Becht und Caroline Hellwig. Foto: ARD Degeto/Domagoj Kunić

Das neue Werk von Johannes Fabrick („Der letzte schöne Tag“) wird am 11. Mai 2019 um 20:15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. „Hartwig Seeler – Gefährliche Erinnerung“ ist ein absolutes Muss für Krimi-, Thriller- und Drama Liebhaber. Derzeit arbeitet Johannes Fabrick bereits an einem Exposé für den zweiten „Hartwig Seeler“ Film. Wir dürfen also hoffen, dass seine Idee nach einer erfolgreichen Ausstrahlung umgesetzt wird und wir erfahren können, wie es mit dem außergewöhnlichen Privatdetektiv weitergeht. Matthias Koeberlin sprach mit uns in einem weiteren Interview über die spannende Figur Hartwig Seeler.

 

„Hartwig Seeler – Gefährliche Erinnerung“

(pm) – Privatdetektiv Hartwig Seeler (Matthias Koeberlin) bekommt den Auftrag, eine spurlos verschwundene junge Frau zu finden. Ihr Vater Felix Kepler (Michael Wittenborn) vermutet eine Entführung oder ein Gewaltverbrechen. Anders kann er sich nicht erklären, warum sich seine Tochter Evelyn (Caroline Hellwig) bei ihm und seiner Frau (Michaela Caspar) seit zwei Wochen nicht gemeldet hat und auch bei der Arbeit vermisst wird. Schließlich gebe es weder Familienprobleme noch andere Gründe für die aufstrebende Anwältin, wortlos alle Brücken hinter sich abzubrechen. Hinweise auf ein Verbrechen findet Seeler jedoch nicht. Er stößt auf eine Überweisung an eine mysteriöse Selbstfindungsgruppe auf einer kroatischen Insel. Deren spiritueller Ansatz, über Hypnose den Schlüssel zu seelischen Traumata zu finden, spricht den Detektiv über seine Arbeit hinaus an, denn Seeler ringt mit dem Unfalltod seiner Frau, über dessen ungeklärte Umstände er sich seither den Kopf zermartert. Seinen unterbewussten Vermutungen stellt sich der Privatdetektiv, als er sich in das Camp der Gruppe einschleust und auf eine Hypnosesitzung mit Amanda (Friederike Becht) einlässt. Die Heilerin behandelt auch Evelyn, die sich in einem labilen Zustand befindet. Was die Ursache dafür ist, lässt Seeler an seinem Auftraggeber zweifeln: Es gibt einen schwerwiegenden Grund, warum sich Evelyn von ihrem bisherigen Leben loslösen will.