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#herzenssache mit Kerstin Landsmann: „Eine langsame Ernährungsumstellung ist der Schlüssel zum Erfolg“

Ein möglicher Weg, vegan zu werden

 

In unserer neuen Rubrik „#herzenssache“ sprechen Filmschaffende über ihre persönliche Herzensangelegenheit. Den Anfang macht Kerstin Landsmann (41), welche seit Jahren vegan lebt und mit uns darüber sprach, wie einfach eine Ernährungsumstellung ist.

 

Frau Landsmann, vor 30 Jahren beschlossen Sie, als Vegetariern zu leben. Seit drei Jahren verzichten Sie nun komplett auf tierische Produkte. Wie schwer war für Sie die Umstellung?

Die Umstellung war nicht schwer, es ging tatsächlich von einem auf den anderen Tag.  Heutzutage ist es sehr einfach, mit ein paar Klicks an viele Informationen, wie zum Beispiel über Massentierhaltung, zu gelangen. Wenn du dir dann bewusst machst, was da eigentlich passiert, fällt es dir sehr einfach deine Essgewohnheiten zu ändern. 

Warum verdrängen wir Menschen sehr gerne solche Informationen?

Verdrängen können wir Menschen sehr gut. Leider ist es in Sachen Ernährung ein sehr großer Nachteil. Wir würden niemals unser Auto mit solch belastenden Stoffen betanken, wie wir unseren Körper mit Energie versorgen. 

Das heißt, für Sie war der endgültige Auslöser zur veganen Ernährung die Berichterstattung von einer nicht artgerechten Tierhaltung?

Ja, so war es. Zusätzlich noch die Informationen darüber, wie ungesund und lebenseinschränkend das Verzehren tierischer Produkte ist. Vor allem wie unnötig! Außerdem bekam ich als Metzgerstochter schon früh mit, was Tiere durchleben, wenn sie geschlachtet werden. Ich mochte auch nie die Gerüche, welche beim Verarbeiten von Fleisch entstehen. 

Ich denke manchmal, dass wir mit dem ganzen Angebot an tierischen Produkten zu sehr verwöhnt sind. Früher kaufte man seine Wurst beim lokalen Metzger und es gab nur wenige Sorten an Fleisch und Wurstwaren. Heute gibt es Regale voll mit abgepackten Produkten von verschiedenen Herstellern. Wie sehen Sie das?

Ich sehe dies ganz genauso und verurteile deshalb ebenso die Industrie, welche natürlich nur an ihrem Profit interessiert ist. Der Mensch, die Umwelt, das Tier ist denen egal. Und uns auch. Hauptsache, ich kann immer alles haben und das möglichst billig. Und leider glauben viele, dass teuer oder der berühmte „Biobauer um die Ecke“ eine reine Weste macht. Selbst, wenn dieser Wunschglaube stimmt, so tut man seinem eigenen Körper immer noch keinen Gefallen. Unsere Zivilisationskrankheiten lassen grüßen. Oftmals ist es auch anerzogen, dass tierisches Eiweiß gut für den Körper ist. Interessant finde ich immer, wenn die Leute meinen, man sei kurz vor dem Verhungern, wenn man sich vegan ernährt. Also ich empfinde mich als recht lebendig.

Haben wir vielleicht auch einfach den Bezug zur Ernährung verloren, weil in der heutigen Zeit einfach alles schnell gehen muss?

Das haben wir leider und man geht davon aus, dass alles seine Ordnung haben wird. Viele haben ganz einfach auch nicht die Informationen über die Möglichkeiten der veganen Küche vorliegen. Es gibt heute so viele Ernährungsmöglichkeiten, die fast alle unsere gewohnten Produkte ersetzen. Ich musste auch erstmal rauskriegen, dass ich Sahne zum Kochen ganz einfach durch „helles Mandelmus in Wasser verquirlt“ ersetzen kann. Oder in Berlin gibt es zum Beispiel ein tolles Donut Restaurant „Brammiball´s Donut“. Geschmacklich sind diese ein Erlebnis und man merkt überhaupt nicht, dass dort keine tierischen Produkte verarbeitet wurden. Oder die „Pho“ im „Mamas Banh“ schmeckt auch ohne Rindfleisch köstlich. Ich hätte dies vorher auch nicht gedacht. Man sollte sich einfach trauen, Neues auszuprobieren. Wenn ich natürlich mit dem Ansatz an die Ernährungsumstellung rangehe, ein Tofu Steak ersetzt mir mein Rinder- oder Schweinesteak, wird das sehr schwierig.

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Kerstin Landsmann geht gerne in Berlin auf die Suche nach neuen veganen Leckereien. Foto: Kerem Bakir

Es gibt wirklich viele Produkte, welche zum Teil sogar besser als die Produkte mit tierischen Inhaltsstoffen schmecken. Worauf kommt es bei einer Ernährungsumstellung besonders an?

Eine langsame Umstellung ist der Schlüssel zum Erfolg. Es ist wichtig, sich Zeit zu lassen, um Ersatzprodukte für seine gewohnten tierischen Produkte zu finden. Gleich die geliebte Currywurst durch eine Tofu Wurst zu ersetzen, geht sehr wahrscheinlich in die Hose. Deshalb sollte man mit den Dingen anfangen, die man auch sehr gut weglassen könnte. Ich empfehle, auch einfach neue Gerichte auszuprobieren. Das hat mir riesen Spaß gemacht und ich habe dadurch den Räuchertofu für mich entdeckt.   

Haben Sie ein Beispiel, wie Sie die Produkte ersetzt haben?

Ich habe es geschafft, meine geliebte Pfifferling Soße umzuwandeln. Früher habe ich die Pilze mit Zwiebeln angebraten und eine Rahmsoße hinzugegeben. Heute füge ich als Ersatz für diese weißes Mandelmus hinzu. Das Mus quirle ich mit Wasser etwas auf und gebe Kräuter hinzu. Witzigerweise erkannte keiner meiner Gäste bisher geschmacklich einen Unterschied.  

Kerstin LandsmannSie fühlt sich wohl in ihrer Haut und ist vollkommen zufrieden mit ihrer Ernährung. Foto: Kerem Bakir

Welche veganen Gerichte können Sie für den Anfang empfehlen?

Es gibt ja so viel, was schon immer vegan war, zum Beispiel „Penne all´ arrabiata “ oder „Penne aglio e olio “ ist für alle Pasta-Liebhaber ein super Ersatzgericht. Und eine gute Suppe beziehungsweise Eintopf braucht kein ausgekochtes Hühnchen oder ähnliches., gute Gewürze machen alles schmackhaft. 

Nach drei Jahren komplettem Verzicht auf tierische Produkte. Wie hat sich ihr Körper verändert?

Ich hatte in den letzten 3 Jahren nur einmal eine heftige Erkältung. Früher habe ich öfter einen Schnupfen etc. mit mir rumgeschleppt. Außerdem fühle ich mich viel belastbarer und fitter. Früher war ich oft, wenn der Wecker sehr früh klingelte, einfach müde und schlapp. Das habe ich heute nicht mehr. In der Regel wache ich von allein ausgeschlafen früh auf. 

Kerstin Landsmann

Kerstin Landsmann hat ihren Weg gefunden und ist sichtlich glücklich mit ihrer Umstellung. Foto: Kerem Bakir

Ihren ersten Film drehte Kerstin Landsmann im Alter von 18 Jahren mit Sönke Wortmann („Charley´s Tante“). Seit 2002 steht sie regelmäßig für die ZDF-Erfolgsserie „Soko Köln“ vor der Kamera und dreht nebenbei für zahlreiche weitere TV-Projekte. Ihre Stunts dreht die ehemalige Stuntfrau auch heute noch gerne selbst.