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„Reich oder tot“ Hauptdarstellerin – Jessica Schwarz: „Seine Möglichkeiten richtig nutzen – das ist das Wichtigste“

Packendes Drama im ZDF

 

Diller und Kessel ermitteln wieder – „Reich oder tot“, der dritte Teil von Lars Beckers erfolgreicher Filmreihe, wird am kommenden Montag im ZDF ausgestrahlt. Ein Drama der Extraklasse. Wir sprachen mit der Hauptdarstellerin Jessica Schwarz (42) über ihre bisherige Karriere.

 

Frau Schwarz, ein spannendes Drama erwartet uns am Montag im ZDF. Was reizte Sie besonders an der neuen Lars Becker Verfilmung?

Das Genre hat mich sehr gereizt. Lars Becker geht gerne in die Richtung Noire, was diese Filmreihe angeht. Er ist einfach auch ein toller Autor, der rasant, schnell und sentimental erzählt. Außerdem kann er wahnsinnig toll mit Schauspielern arbeiten und gibt mir als Schauspielerin die Möglichkeit, intensiv mit meiner Figur zu arbeiten.

Er versteht es auch, die Frauenrollen nicht zu kurz kommen zu lassen. Oftmals werden die Frauen ab einem gewissen Alter nicht mehr in den Vordergrund gestellt. Wie erleben Sie die Entwicklung der Frauenrollen in den letzten Jahren?

Gerade jetzt ist es sehr spannend für uns Frauen. Erst vor kurzem habe ich mit Regisseur Bora Dagtekin für ein Filmprojekt gearbeitet, der auch sehr zuversichtlich sagte, dass wir Frauen uns derzeit keine Sorgen machen müssen. Es bewegt sich viel im deutschen Film und ich habe das Gefühl, dass derzeit viele tolle Drehbücher mit tollen Frauenrollen auf den Markt kommen. Die aber manchmal leider aus Finanzierungsgründen scheitern, da das Kino und TV durch die Konkurrenz kein leichtes Dasein hat.

„Reich oder tot“ ist ein Drama, welche alle Facetten zeigt. Liebe, Schmerz, Hintergehen und ein bisschen Betrug. Welche Komponenten dürfen für Sie in einem guten Drama auf keinen Fall fehlen?

Bei einem Drama muss ich lachen oder weinen können. Außerdem sollte es mich berühren.

Welches Genre bevorzugen Sie am liebsten, wenn Sie sich einen entspannten Filmabend gönnen?

Ich liebe tatsächlich Dramen. Vor allem interessieren mich die unterschiedlichsten Familien- Dramödien. Ich mag auch französische, sowie skandinavische Filme. In denen es um Familientreffen geht und am Ende die düstersten Familiengeheimnisse rauskommen.

Jessica Schwarz und Anna Loos in "Reich oder tot"

Claire Kessel (Jessica Schwarz, links) und Maren Diller (Anna Loss, rechts) verbindet eine tiefe Freundschaft. Foto: ZDF/Marion von der Mehden

Welches Drama hat Sie zuletzt tief bewegt?

Vor kurzem habe ich „Der goldene Handschuh“ geschaut. Danach war ich ziemlich aufgewühlt und wäre lieber etwas trinken, als sofort ins Bett gegangen (lacht). Was Fatih Akim uns da in seinem Drama gezeigt hat, war schon besonders. Ein wirklich toller Film.

Wie sieht eigentlich die Vorbereitungszeit für die Dreharbeiten bei Ihnen aus?

Wenn ich das Drehbuch bekommen habe, schaue ich mir meine Figur zuerst genau an. Was macht sie besonders? Was will sie? Wo will sie hin? Dazu mache ich mir ein paar Notizen in das Drehbuch, um die verschiedensten Merkmale genau festzulegen. Vor den Dreharbeiten erarbeite ich die einzelnen Szenen mit meinem Coach. Wir haben die verschiedensten Herangehensweisen, wie wir uns meiner Figur nähern.

Ursprünglich haben Sie als Moderatorin bei dem Musiksender VIVA begonnen. Was war für Sie eigentlich der Auslöser, dass Sie Schauspielerin wurden?

2000 habe ich bei VIVA angefangen und wurde relativ zeitnah zu einem Casting eingeladen. Das war schon spannend, sich neben den ganzen Schauspielern am Ende für eine Rolle durchzusetzen. Natürlich konnte ich mich auf diesem Talent nicht ausruhen und musste mir vieles mit der Hilfe eines Coaches erarbeiten. Ich hatte das große Glück, dass ich jede Menge tolle Regisseure hatte, die mir viel geraten haben und mich dazu ermutigten, die Moderation sein zu lassen. Die „VIVA“ Familie bot mir natürlich eine gewisse Sicherheit, aber ich bin sehr froh, dass ich mich damals für das Schauspiel entschieden habe.

Sie haben keine klassische Ausbildung absolviert und sich das Handwerk selbst in Coachings erarbeitet. Würden Sie sagen, dass dies auch ein guter Weg ist, um als Schauspieler Fuß zu fassen?

Ich kenne viele Autodidakten. Ob es jetzt Jürgen Vogel oder Daniel Brühl ist, die alle nicht den klassischen Weg über eine Schauspielschule gegangen sind. Heut gibt es jede Menge Möglichkeiten, sich das Handwerk anzueignen. Viele Schauspielschulen legen in ihrer Ausbildung den Fokus mehr auf das Theater. Wenn einem zum Beispiel schon sehr früh klar ist, dass man nicht auf der Bühne stehen möchte, kann man diverse Kamera Workshops absolvieren. Das Wichtigste ist, dass man seine Möglichkeiten richtig nutzt.

Fritz Karl und Jessica Scharz in "Reich oder tot"

Zusammen mit Fritz Karl (links) stand Jessica Schwarz (rechts) für den neuen Film von Lars Becker vor der Kamera. Foto: ZDF/Marion von der Mehden

Wie schwer war es für Sie, die richtigen Angebote zu Beginn Ihrer Karriere herauszufiltern, um nicht für ein gewisses Genre dauerhaft gebrandet zu sein?

Ich habe lange Zeit die Mainstream Angebote abgelehnt, weil ich nur Arthouse Filme machen wollte. Die Bedenken, zu schnell bekannt zu werden und auch wieder schnell nicht mehr gefragt zu sein, waren einfach zu groß. Deshalb hat zwar vieles etwas länger bei mir gedauert, aber ich bin froh, mich damals so entschieden zu haben.

Haben Sie eigentlich nach so langer Zeit noch immer Lampenfieber, wenn Sie vor der Kamera stehen?

Das größte Lampenfieber hatte ich gerade bei meinem letzten Projekt von Bora Dagtekin „Das perfekte Geheimnis“, wo wir kammerspielartig zu siebt an einem Tisch saßen und spielten (lacht). Die Atmosphäre ähnelte wie auf einer Bühne und egal, ob es Elyas M`Barek, Florian David Fitz, Jella Haase oder Karoline Herfurth war, wir hatten einen unheimlichen Respekt voreinander, keiner wollte etwas falsch machen. Es hat komischerweise sehr lange gedauert, bis wir dort angekommen sind.

Ihr Geheimrezept gegen Lampenfieber ist?

Ich glaube, das Beste ist, darüber zu sprechen. Ruhig die Bedenken oder das Lampenfieber offen ansprechen. Kaum hatten wir unsere Bedenken während des Drehs geäußert, verflog das Lampenfieber schnell.

Wenn Sie nicht als Schauspielerin tätig sind, arbeiten Sie als Synchronsprecherin oder führen erfolgreich zwei Hotels im Odenwald. Gibt es noch einen beruflichen Wunsch, der bisher unerfüllt blieb?

Ich bin jemand, der die Dinge gerne auf sich zukommen lässt. Deshalb kann ich nicht genau sagen, was für ein beruflicher Wunsch bei mir bisher noch unerfüllt ist. Ich bin gespannt, was noch auf mich zukommt und freue mich auf das, was kommt.

Jessica Schwarz

Seine Möglichkeiten nutzen – Jessica Schwarz nutzte ihre und hat sich dadurch fest in der deutschen Filmszene etabliert. Foto: Joachim Gern

„Reich oder tot“ wird am 27. Mai 2019 um 20:15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Es ist der dritte Teil der Filmreihe von Lars Becker, welcher auf den bereits ausgestrahlten Filmen „Unter Feinden“ (2013, nach dem gleichnamigen Roman von Georg M. Oswald) und „Zum Sterben zu früh“ (2015) basiert.

 

„Reich oder tot“

Die beiden Polizisten Diller und Kessel erfahren von ihrer alten Bekannten Dalida, dass Mohammed mit zwei anderen Kriminellen unterwegs ist, um eine Bank auszurauben. Ausgerechnet die Bank, bei der auch Claire Kessel Kunde ist. Die will zusammen mit ihrer Tochter Ruby gerade das Gebäude verlassen, als die Gangster in die Filiale stürmen. Ruby wird als Geisel genommen, dank Mohammeds Protest aber einige Straßen weiter ausgesetzt. Ruby erleidet einen Krampfanfall und muss ins Krankenhaus. Kessel ist außer sich. Er stürmt in Mohammeds Möbelladen, wo die Täter das erbeutete Geld zählen. Einer der Täter kann fliehen, aber der andere eröffnet das Feuer und wird von Kessel erschossen. Bei der Untersuchung durch die Staatsanwältin Soraya belastet Mohammed Kessel schwer. Er widerspricht dessen Notwehr-These und unterstellt ihm eine klare Tötungsabsicht. Unterdessen wendet sich der Geflohene an den Dealer Dragovic. Sie wollen Kessel eine Falle stellen und schieben ihm ein halbes Kilo Kokain unter, kurz bevor Soraya und die Drogenfahndung bei Kessel auftauchen. Kessel wird suspendiert und vorläufig festgenommen. Vom Gefängnis aus kann Kessel seine Familie zwar nicht schützen, aber er kann jemanden in die Pflicht nehmen, dies an seiner Stelle zu tun: Diller! Und der tut es.