Cast & Crew

„Balanceakt“ Hauptdarsteller – David Rott: „Zu zweit kannst du alles schaffen!“

Tragikomödie im ZDF

 

Wie so oft spielt das Leben einem manchmal einen Streich. Alles läuft gut und die Lebenspläne gehen auf. Auf dem Gipfel angekommen kommt er, der Tiefschlag – eine unheilbare Krankheit. Das Leben steht auf dem Kopf und alles verändert sich. „Balanceakt“ ist eine sehr gute Inszenierung über die Krankheit „Multiple Sklerose“. Wir sprachen mit Hauptdarsteller David Rott (41) über einen Film, der Mut macht.

 

Herr Rott, „Balanceakt“ ist eine schonungslose Verfilmung über die Krankheit Multiple Sklerose (MS). Sie verkörpern dort Axel, einen Ehemann, dessen Frau (Julia Koschitz) unerwartet an MS erkrankt. Wie haben Sie sich auf die Rolle mit solch einer komplexen Thematik vorbereitet?

Für mich stand die Recherche über die Erkrankung Multiple Sklerose im Vordergrund. Es war mir wichtig, zu verstehen, wie das Krankheitsbild entsteht und ist. Deshalb habe ich viel darüber gelesen und viele Videos angeschaut. Außerdem habe ich mich im Bekanntenkreis umgehört. Leider gibt es viel mehr Betroffene als man weiß.

Im Vordergrund des Films steht auch die Beziehung zweier Menschen, die mit einer großen Veränderung umgehen müssen. Das ist ein guter Nebenaspekt im Film, da somit die Krankheit nicht nur im Fokus steht.

Gut ist der Film, wenn es lebendig wird und der Zuschauer die Menschen mit ihren Sorgen und ihrer Liebe im alltäglichen Leben erleben kann. Nur einen Informationsfilm über eine Erkrankung zu drehen, lässt schnell das Interesse verlieren.

Ihre Figur legt den Traum, eine eigene CD zu produzieren und eine Solokarriere zu starten, erst einmal auf Eis. Stattdessen gibt er Musikunterricht und sorgt für das Einkommen in der Familie. Sind Sie privat auch musikalisch veranlagt?

Ja, ich komme aus einer musikalischen Familie. Außerdem spielte ich bereits Udo Jürgens in „Der Mann mit dem Fagott“. Von daher war die Rolle als Musiklehrer nicht unbedingt Neuland für mich. Die Art und Weise von Axels Musikrichtung war jedoch für mich neu. Es geht in die Stilrichtung von Nils Frahm, der die Neo-Klassik mit minimalistischen Elektroklängen verbindet. Deshalb habe ich vor den Dreharbeiten viel über diesen Musikstil recherchiert.

David Rott und Julia Koschitz in "Balanceakt"

Axel (David Rott, links) kümmert sich liebevoll um seine erkrankte Ehefrau Marie (Julia Koschitz, rechts). Foto: ZDF/Petro Domenigg

Drehbuchautorin Agnes Pluch ist es gelungen, eine gute Balance zwischen der tragischen Geschichte, einer Liebesgeschichte und jeder Menge Humor zu finden. Verraten Sie uns, was Sie dachten, als Sie zum ersten Mal das Drehbuch gelesen haben?

Ich fand genau diese drei Aspekte gut. Einen Film über Multiple Sklerose zu drehen, ist wichtig. Besonders gut fand ich aber, in welcher Art und Weise Agnes Pluch diese besondere Geschichte erzählt. Dass sie nicht nur die Krankheit in den Vordergrund stellt, sondern auch den Kampf um eine Liebe thematisiert. Vielleicht lässt sich dadurch etwas in das eigene Leben übertragen. Ständig sind wir mit Veränderungen konfrontiert und nur, weil sich etwas im Leben verändert, heißt es nicht, dass die Liebe, die Beziehung oder gar die Familie anders werden muss oder vor dem Aus steht. Es ist eine extreme Herausforderung, aber ich glaube, wenn man sich nicht aus dem Auge verliert, dann sind solche Dinge zu schaffen.

Axel muss plötzlich lernen, mit der Erkrankung seiner geliebten Frau umzugehen. Er versucht sie aufzufangen und will sie fast schon zu sehr schützen. Können Sie durch Ihre Rolle Betroffenen einen Tipp geben, wie sie am besten mit der neuen Situation umgehen können?

Meine Figur hat versucht, liebend die neue Situation zu meistern. Er hat sich allerdings irgendwann selbst damit überfordert und konnte seine Gefühle nicht mehr mitteilen. Wenn jemand in der Familie erkrankt, sollte es niemals so sein, dass die restlichen Familienmitglieder nur noch das Haltegeländer für ihn sind. Gerade in einer Beziehung ist es wichtig, dass der Partner auch seine Empfindungen äußern kann. Ansonsten kann es schnell vereinsamen und belastend werden. Das wurde mir durch die Dreharbeiten bewusst.

Haben Sie eigentlich eine bestimmte Methode, wie Sie sich in die sehr emotionalen Szenen direkt hineinversetzen können?

Nein, eine bestimmte Methode habe ich nicht. Da die Charaktere immer unterschiedlich sind, sehen die Vorbereitungen auch immer anders aus. Jedoch hat sich bei mir in den letzten Jahren bewährt, dass ich bevor ich an das konkrete Lernen und formen meiner Figur gehe, täglich das Drehbuch lese. Dadurch entsteht für mich nach einer gewissen Zeit ein genaues Bild von ihr. Wenn es dann bei der Kostümprobe darum geht sich zu entscheiden welches Kleidungsstück man aussucht, sind das Entscheidungen die aus dem Bauch und intuitiv entstehen. Weniger ausgedacht, beziehungsweise durch den Kopf entstanden sind.

David Rott

David Rott wurde vieles durch die Dreharbeiten bewusst. Foto: Malte Jäger

Anders als bei einer historischen Verfilmung trägt Axel Alltagskleidung. Inwieweit hilft Ihnen solch ein Kostüm auch bei dem Prozess der Figurenentwicklung?

Bei den historischen Gewändern habe ich den Vorteil, dass bestimmte Dinge aufgrund der damaligen Etikette bereits vorgeben sind. Da weiß ich genau, ob meine Figur sein Gegenüber berühren würde oder nicht. Ob er ihm in die Augen schaut, während er spricht oder nicht. Es ist alles genauer konturiert, was ich bei Axel erst entwickeln musste.

Für mich ist Marie ein Vorbild, denn Sie zeigt uns allen, dass es sich lohnt, zu kämpfen seinen neuen Weg zu finden. Was nehmen Sie persönlich für sich aus der Verfilmung mit?

Wenn man die Liebe und den Glauben an die Beziehung nicht aus dem Auge lässt, kann man alles miteinander schaffen. Egal, wie groß die Veränderungen sind, die einem das Leben auf den Küchentisch legt.

Julia Koschitz, Ulli Maier und David Rott in "Balanceakt"

Eine berührende Szene – Marie (Julia Koschitz, vorne links) kann ihrer Mutter (Ulli Maier, vorne rechts) einfach nicht sagen, dass sie an MS erkrankt ist. Ihr Ehemann (David Rott, hinten) gibt ihr in dieser schweren Zeit halt. Foto: ZDF/Petro Domenigg

David Rott („Der Mann mit dem Fagott“) ist am 26. August 2019 um 20:15 Uhr im ZDF an der Seite von Julia Koschitz („Doctor`s Diary“, „Hin und Weg“) zu sehen. Regisseurin Vivian Naefe („Einer geht noch“) zeigt auf der Drehbuchvorlage von Agnes Pluch („Ikarus“) in „Balanceakt“ eine berührende Geschichte, die aufhorchen lässt und die Krankheit Multiple Sklerose schonungslos, aber auch mit einer gesunden Portion Humor zeigt. Ein besonderes Filmerlebnis, was bewegen wird.

 

„Balanceakt“

(pm) – Die aufstrebende Architektin Marie führt ein Leben auf der Überholspur. Sie liebt ihren Beruf und ihre Familie, ihren Lebensgefährten Axel und ihren kleinen Sohn Luis. Ihr Vater Otto ist stolz auf seine Erstgeborene, während Kerstin, Maries kleine Schwester, mit ihrem sprunghaften Lebensstil zum Sorgenkind der Familie geworden ist. Immer wieder sorgt der direkte Vergleich der beiden Schwestern für Eifersucht und Konflikte. Die Spannungen zwischen den Familienmitgliedern werden stärker, als bei Marie Multiple Sklerose diagnostiziert wird. Jeder scheint zu wissen, was das Beste für sie ist. Marie versucht zwischen Bloßstellungen, depressiven Phasen und der Verantwortung als Mutter und Lebensgefährtin nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Neben der bei MS üblichen Interferon-Therapie probiert sie in ihrer Not alle erdenklichen Heilmethoden aus, die versprechen, Krankheitsschübe einzudämmen. Doch immer seltener gelingt es Marie, ihren Zustand mit Witz zu überspielen. Sie ertappt sich dabei, wie sie die, die ihr am nächsten stehen, vor den Kopf stößt. Während Axel versucht, die Arbeitsunfähigkeit seiner Frau durch einen Zweitjob zu kompensieren, plant Otto den Umbau seines Hauses für seine Tochter. Marie fühlt sich bevormundet. Die Krankheit stellt die Beziehung zu ihrer Familie auf eine harte Probe.