Interview des Monats

Marisa Burger im Interview des Monats: „19 Jahre „Rosenheim-Cops“ sind ein Segen“

24 neue Folgen starten

 

„Es gabat a Leich!“ – ist wohl einer der berühmtesten Sätze im deutschen Fernsehen. Marisa Burger verkörpert seit nun 19 Jahren die Sekretärin Miriam Stockl in der Mordkommission Rosenheim. Vor dem neuen Staffelstart sprachen wir mit der Schauspielerin über Deutschlands beliebteste Vorabendserie.

 

Frau Burger, seit 19 Jahren verkörpern Sie Miriam Stockl und Ihre Rolle hat nach all den Jahren einen Kultstatus erlangt. Wie verlief eigentlich damals Ihr Casting?

Ich wurde damals zum ersten Casting eingeladen und bekam die Rolle leider nicht. Mir hat schon beim Durchlesen des Drehbuchs die Rolle Spaß gemacht und ich wollte diese Figur spielen. Zu dieser Zeit stand ich noch am Anfang meiner Karriere, war sehr jung und zweifelte nach der Absage natürlich an mir. Sagte: Wenn ich das schon nicht bekomme, kann ich überhaupt nichts spielen. Nachdem die Dreharbeiten angefangen hatten, wurde die Regie ausgewechselt. Dieter Kehler erinnerte sich noch an mein Casting Band und lud mich daraufhin noch einmal ein. Beim zweiten Versuch hat es dann zum Glück mit der Rolle geklappt. 

Dank der Serie haben viele Sekretärinnen in Deutschland den Spitznamen „Stockl“. Hatten Sie zu Beginn der Dreharbeiten mit solch einem Hype um Ihre Figur gerechnet?

Ach echt (lacht)? Ich habe nicht damit gerechnet, dass Stockl einmal so beliebt wird, da die Rolle zu Beginn der Serie noch viel kleiner als heute angelegt war. Dass sie heute eine viel größere Präsenz bekommen hat, macht mich natürlich sehr stolz.

Welche besonderen Erinnerungen haben Sie noch an Ihren ersten Drehtag als Miriam Stockl?

Ich war total aufgeregt und hatte unheimlichen Respekt vor meinen Kollegen. Zum Glück konnte ich schnell beweisen, dass es die richtige Wahl war, sich für mich zu entscheiden.

Früher wurden Teile des Hauptcast und des Filmteams ausgetauscht, um durch einen Doppeldreh, schneller produzieren zu können. So kam es, dass der ein oder andere Kommissar mal kurzzeitig im Urlaub war. Ist dies heute noch so?

Bis vor kurzem haben wir Folgen parallel gedreht. Es blieben nur die Rollen Michi Mohr, Miriam Stockl, Korbinian Hofer und Marie Hofer. Da man die Kommissare nicht teilen konnte, kamen neue dazu.

Beflügelt es nicht unheimlich im Spiel, wenn die Möglichkeit besteht, mit ständig wechselnden Charakteren zu drehen?

Ja, das macht die Arbeit unheimlich spannend. Die Rolle des Michi Mohr kenne ich zum Beispiel sehr gut, da wir schon lange miteinander drehen. Kommt aber ein neuer Kollege hinzu und somit eine neue Rolle, bekommt das Spiel eine neue Farbe. Es bietet mir dadurch die Möglichkeit genau zu überlegen, wie Miriam Stockl dem neuen Kollegen gegenübertritt. Manchmal finden sich dadurch völlig neue Aspekte, was ich sehr schön finde.

Michael A. Grimm, Marisa Burger und Katharina Abt in "Die Rosenheim-Cops"

Ein kleiner Teil des bisherigen Cast – von links: Michael A. Grimm (Kommissar Hartl), Marisa Burger (Miriam Stockl, Mitte) und Katharina Abt (Kommisarin Danner). Foto: ZDF/Christian A. Rieger – Klick

Die 450. Folge ist bereits abgedreht und wird im Herbst in der 19. Staffel im ZDF ausgestrahlt werden. Was hat sich Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren mit Miriam Stockl zum Positiven verändert?

Miriam war früher ein wenig naiver. Ich glaube, ich habe ihr nach all den Jahren eine gewisse Seele gegeben. Mir war es unheimlich wichtig, dass man sie nicht als Trutscherl, sondern als eine sehr gestandene Frau wahrnimmt. Die durch ihr Wissen, ihre Neugier und ihr weiterdenken zur Falllösung beiträgt. Da sie in einer Männerdomäne arbeitet, hat sie auch in all den Jahren gelernt, auf den Tisch zu hauen, was manchmal notwendig ist (lacht). Ihr Weg in den letzten Jahren ist wie im wahren Leben gewesen. Sie kam jung an einen Arbeitslatz, musste sich erst einmal finden und lernte irgendwann, sich durchzusetzen und zu etablieren. Das ist für mich eine schöne positive Entwicklung.

„Ich kann vieles, aber hexen, zaubern etcetera, des kann i leider noch net“ – ist einer der Sätze von Miriam Stockl, der mir aus den vergangenen Folgen im Gedächtnis geblieben ist. Wenn Sie sich etwas aussuchen dürfte, was sollte ihre Figur noch erleben?

Natürlich ist die Stockl immer auf der Suche nach einem Mann und tappt gerne malin eine Falle. Das sollte auch weiterhin so bleiben und es wäre schön, wenn ihr Privatleben auch in Zukunft so geheimnisvoll bleibt und nicht in den Vordergrund rückt. Sonst wird es langweilig für den Zuschauer. Ich wünsche mir für sie noch viele Fälle, wo sie ihr Wissen dazu beitragen und zeigen kann, was in ihr steckt.

Miriam Stockl hat eine große Schwäche, sie kann einfach nicht „Nein“ sagen. Warum fällt uns Menschen das so schwer?

Ich glaube, dass wir Menschen uns manchmal in gewissen Situationen für unersetzlich halten. Miriam ist eine fleißige Biene. Sie möchte für das geliebt werden, was sie am Arbeitsplatz leistet. Manchmal bekommt sie zwar einen auf den Deckel, aber am Ende, wenn alles gut lief eben auch ein Lob. Ich glaube, jeder Mensch möchte am Ende des Tages gelobt werden.

19 Jahre mit einer Figur – Fluch oder Segen für Sie als Schauspielerin?

Es ist beides. Fluch ist, dass es in Deutschland bei einer Serienrolle leider oft so ist, dass dir nicht zugetraut wird, noch etwas anderes drehen zu können. Gerade mit einer prägnanten Rolle, spielst du dich in die Köpfe der Zuschauer und wirst meistens mit dieser einen Rolle verglichen. Sie vergessen leider, dass du als Schauspieler auch noch andere Rollen sehr gut spielen kannst. Wenn du als Schauspieler in einer Serie drehst, bekommst du leider auch weniger Angebote, weil meistens davon ausgegangen wird, dass du zeitlich kein anderes Projekt wahrnehmen kannst. Was natürlich nicht so ist und wir auch bei einer Serie nebenher noch andere Film- oder Serienprojekte drehen können. Segen ist natürlich, dass ich bereits 19 Jahre für „Die Rosenheim-Cops“ drehen darf. In einem Job so lange Zeit arbeiten zu dürfen, den man sehr liebt, ist wunderbar. Und natürlich bietet eine Serie dir als Schauspieler eine gewisse Sicherheit, gerade wenn man eine Familie hat.

Marisa Burger

Marisa Burger hatte Glück. Sie überzeugte durch ihr großartiges schauspielerisches Talent und bekam beim zweiten Anlauf doch noch die Rolle der Miriam Stockl. Foto: Adrian Schaetz

Ein Serien Dreh ist im Vergleich zu einem Film, eine ganz andere Anforderung. Sie drehen immer viele verschiedene Szenenbilder aus vielen verschiedenen Folgen nacheinander ab. Wie bereiten Sie sich auf die Dreharbeiten vor?

Ich habe Spaß am Wort. Von daher macht mir das Textlernen nicht so eine große Sorge. Wenn ich meine Figur erfasst habe und weiß wie sie funktioniert, ist es für mich nachvollziehbar wie sie agiert. Ich lese auch die Texte von meinen Kollegen, außerdem treibe ich Sport, um bei Kondition zu bleiben. Das ist meine Methode, mit der ich seit Jahren immer gut fahre. Das ist für lange Dreharbeiten im Studio sehr wichtig.

Filmstudios haben die Eigenschaft, dass sie meistens nicht nur über schlechte Luft verfügen, auch lassen sie einen vom Tag nichts mitbekommen. Außerdem ist es sehr warm durch die Scheinwerfer. Für mich sind dies keine angenehmen Arbeitsbedingungen. Wie schöpfen Sie Kraft bei den langen Drehtagen?

Wir haben lange Blöcke, in denen wir drehen. Da bekommt man manchmal schon einen Hüttenkoller (lacht). Ich habe den Vorteil, dass ich mit einem Kollegen einen Raum habe, wo wir uns zurückziehen können. Das nutze ich immer aus, auch wenn nur kurze Umbauten sind. Um Energie zu tanken, wenn auch nur für drei Minuten.

Was war eigentlich der Auslöser, dass Sie sich für das Schauspiel entschieden haben?

Ich war schon immer jemand, der sagte ich habe die Kraft, Liebe, Lust und Leidenschaft dazu und wenn ich mir etwas in den Kopf setzte, probierte ich es. Wenn du einen festen Willen hast, kannst du alles erreichen.

Wie geht es mit Miriam Stockl in der neuen Staffel weiter?

Es ist wie mit einem Überraschungsei: Es gibt was Spannendes und etwas zum Spielen (lacht). Ein bisschen Krimi und viele ganz tolle neue Geschichten.

Dieter Fischer, Max Müller und Igor Jeftic in "Die Rosenheim-Cops"

Kommissar Stadler (Dieter Fischer, links) und Kommissar Hansen (Igor Jeftic, rechts) werden oftmals nicht nur von Polizist Michi Mohr (Max Müller, Mitte) bei der Fallösung unterstützt, auch Miriam Stockl trägt oftmals dazu bei. Foto: ZDF/Bavaria Fernsehprod/Christi

 

Marisa Burger absolvierte ihre Ausbildung am „Schauspiel München“. Seit 2002 ist sie im Hauptcast der beliebten ZDF-Serie „Die Rosenheim-Cops“. Noch bis November finden die Dreharbeiten für die 20. Staffel in den Bavaria Filmstudios in München statt. Am 24. September 2019 startet die neue Staffel mit 24 neuen Folgen, wie gewohnt immer dienstags um 19:25 Uhr im ZDF.