Cast & Crew

„Die Neue Zeit“ Darsteller – Alexander Finkenwirth: „Die Bauhäusler haben die Welt verändert“

Neue sechsteilige Serie anlässlich des „Bauhaus“ Jubiläums

 

Zuletzt konnten wir Alexander Finkenwirth (33) in der Sky-Serie „Das Boot“ bestaunen. Ab Sonntag sehen wir ihn in der neuen ZDF-Serie „Die Neue Zeit“. Wir wollten natürlich wissen, wie es war, in eine der beeindruckendsten Zeitepoche der Architektur- und Kunstgeschichte einzutauchen.

 

Herr Finkenwirth, Sie verkörpern in der Serie „Die Neue Zeit“ den Studenten Johannes Ilmari Auerbach. Ihm ist sein politisches Engagement wichtiger, als sein Studium. Wie bereiteten Sie sich auf die historische Serie vor?

Zu meinem Glück hat Johannes Ilmari Auerbach mehr oder weniger über sein ganzes Leben hinweg fast täglich Briefe an seine Mutter und seine Schwester geschrieben. Obwohl Auerbach und sein Werk als Bildhauer und Maler heute nicht mehr vielen bekannt ist, wurden diese Briefe als Autobiografie veröffentlicht, sodass ich mich durch die Lektüre in seine Gedankenwelt begeben konnte. Auch die Zeichenkurse zusammen mit den anderen Hauptdarstellern, in denen wir Übungen aus den damaligen Vorkursen Johannes Ittens geübt haben, waren sehr hilfreich.

Das „Bauhaus“ ist bis heute berühmt für seinen außergewöhnlichen Baustil und seine Kunst. Was fasziniert Sie persönlich an dieser prägenden Zeitepoche?

Noch mehr als die Kunstwerke, die Architektur, die Designobjekte, die man heute noch anschauen kann, beeindruckt mich der Geist, in dem sie entstanden sein müssen. Mich fasziniert das Visionäre – viele Bauhäusler standen noch unter dem Eindruck der Katastrophe des Ersten Weltkrieges und hatten doch oder vielleicht gerade deswegen den hohen Anspruch, gegen alle Widerstände eine neue Welt zu entwerfen. Und das Bauhaus war ja dann auch weltverändernd.

Welche Art von Kunst oder Baustilen bevorzugen Sie persönlich?

Oh, eine schwer zu beantwortende Frage. Es gibt da nicht so die Stringenz in meiner Wahrnehmung von Kunst. Nichts, was ich kurz auf den Punkt bringen könnte. Vielleicht so viel: Natürlich soll sie mich berühren und unterhalten, abstrakt oder konkret. Und irgendwie denke ich, dass Kunst immer eine Ahnung in sich trägt. Davon, um wie viel schöner die Welt noch sein könnte. „Die einzige Sache, die sich über Kunst sagen lässt, ist, dass sie eine Sache ist. Kunst ist Kunst als Kunst, alles andere ist alles andere“ (Ad Reinhardt).

Alexander Finkenwirth

Alexander Finkenwirth studierte zuerst Jura, fand jedoch schnell seine Berufung im Schauspiel. Foto: Cyril Schirmbeck

Lars Kraume hat ein Händchen für Themen der Zeitgeschichte. Was reizte Sie besonders an diesen außergewöhnlichen Dreharbeiten?

Mit Lars Kraume zu arbeiten war tatsächlich fantastisch. Lars versteht es, eine einzigartige Atmosphäre im Team und am Set entstehen zu lassen. Mit vielen aus dem Team arbeitet er seit Jahren immer wieder. Das sorgt dafür, dass es am Set beeindruckend konzentriert und professionell zugeht, dabei aber unaufgeregt und irgendwie familiär. Mit den tollen Schauspielkollegen über so lange Zeit Teil dieser Filmfamilie zu sein – das hat großen Spaß gemacht.

In der sechsteiligen Serie gibt es zahlreiche beeindruckende Szenen. Demonstrationen, der Kapp Putch und Straßenschlachten. Dies bedeutet eine Vielzahl von Schauspielern und Komparsen. Wie viel Mehraufwand steckt für Cast und Crew in solchen komplexen Szenen?

Der Aufwand war durchaus beeindruckend, ich erinnere mich noch sehr gut an die langen Drehtage, an die vielen Komparsen, die beeindruckende Szenerie – Panzer, Straßensperren, brennende Barrikaden. Herausfordernd sind solche Massenszenen aber vor allem für alle anderen Gewerke, die diese Welt zunächst entstehen lassen, zum Leben erwecken. Für uns Schauspieler war es dann einfach eine Bereicherung, in diesen Kosmos einzutauchen. Das hat irrsinnig Freude gemacht und sehr, sehr viel Energie verliehen.

Anna Maria Mühe iund Ludwig Trepte n "Die Neue Zeit"

Eine aufwendige Szene – Anna Maria Mühe (vorne mittig) hält in der Rolle als Dörte eine Demonstration mit der Kamera fest. Ludwig Trepte alias Marcel (links vorne) unterstützt sie dabei. Foto: ZDF/Julia Terjung

Die damaligen Kleidungsstücke waren deutlich schwerer als die von heute. Außerdem waren die Stoffe dicker und demzufolge bei Wärme auch manchmal sehr unangenehm. Wie haben Sie sich bei den Dreharbeiten beholfen, nicht zu zerfließen? Schließlich sind die Scheinwerfer recht warm und zum Teil wurde im Sommer gedreht.

Mein erster Drehtag war irgendwann Anfang September, da war es tatsächlich noch recht warm. Mein letzter Drehtag war wenige Tage vor Weihnachten, da war es logischerweise schon sehr kalt. Wir haben also das ganze Spektrum an Kälte und Hitze erlebt, auch im übertragenen Sinne. Und historische Kostüme helfen einem als Schauspieler natürlich und verleihen einem eine andere Körperlichkeit, ganz automatisch. Die tollen Kostüme sind übrigens allein schon ein Grund, sich die Serie anzuschauen.

Ursprünglich studierten Sie in Frankfurt Jura. Was bewegte Sie dazu, sich der Leidenschaft des Schauspiels hinzugeben?

Ich wusste lange nicht, wo ich beruflich hin will, hatte aber gleichzeitig eine starke Energie in mir, die irgendwo rauswollte. Als ich dann das erste Mal auf der Bühne stand, war ich wie elektrisiert. Das Jurastudium war mehr ein Alibi, dafür dass ich in Wahrheit nichts wirklich mit mir anzufangen wusste. Wenn ich ehrlich bin, war ich nur ein paar Mal in Vorlesungen, obwohl ich über zwei Semester eingeschrieben war. Die Zeit auf der Schauspielschule war dann ganz anders.

Was erwartet den Zuschauer in der neuen Serie „Die Neue Zeit“?

Es gibt viele emotionale Momente – die Beziehungen zwischen den Künstlern, den Dozenten und den Studenten des Bauhauses waren auf jeden Fall turbulent und in vielem sehr wild. Dann gibt es natürlich die visuelle Ebene – das alte Weimar wird zum Leben erweckt, die Kunst und die Designobjekte des Bauhauses. Am schönsten aber finde ich, dass die Figuren alle so lebendig werden, so plastisch und dass sich das Pulsierende, Aufregende der damaligen Zeit so überträgt.

August Diehl und Alexander Finkenwirth in "Die Neue Zeit"

Faszinierend im Spiel – August Diehl (links) als Walter Gropius und Alexander Finkenwirth (rechts) in seiner Rolle als Bildhauer Johannes Ilmari Auerbach. Foto: ZDF/Anke Neugebauer

Ab 15. September 2019 um 22:15 Uhr sehen wir Alexander Finkenwirth („Das Boot“) in der neuen ZDF-Serie „Die Neue Zeit“ als Bildhauer und Maler Johannes Ilmari Auerbach an der Seite von August Diehl und Anna Maria Mühe. Regie führte Lars Kraume („Das schweigende Klassenzimmer“), der ebenfalls das Drehbuch schrieb. Es ist eine kleine Zeitreise in die beeindruckende „Bauhaus“ Epoche.

 

„Die Neue Zeit“

(pm) -1963 trifft Walter Gropius (August Diehl) in den USA auf eine Journalistin, die ihn zu den Frauen am Bauhaus befragt. Sie wirft ihm vor, sein Versprechen der Gleichbehandlung nicht eingehalten zu haben. Gropius erzählt ihr seine Version der Geschichte von der Gründung des Bauhaus 1919 in Weimar bis hin zum erzwungenen Umzug 1925 nach Dessau. Im Zentrum steht die Studentin Dörte Helm (Anna Maria Mühe), die sich von ihrer konservativen Familie befreien und ganz als Künstlerin und Aktivistin leben möchte. – Die fiktionale Serie hält sich eng an die historischen Figuren und Ereignisse.