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„München Mord“ Hauptdarsteller – Alexander Held: „Schauspiel ist kein Beruf, es ist eine Berufung“

Fesselnder Samstagskrimi

 

Die beliebte Krimireihe „München Mord“ glänzt am kommenden Samstag mit einem besonderen Teil. Ein mysteriöser Mord führt Ludwig Schaller alias Alexander Held (60) und sein Team in den Untergrund. Wir sprachen mit dem Hauptdarsteller in Köln über die besondere Krimireihe, die Dreharbeiten und das Besondere am Schauspiel.

 

Herr Held, Sie verkörpern seit nun fünf Jahren den Ermittler Ludwig Schaller. Wie haben Sie sich damals auf Ihre Figur vorbereitet?

Zunächst einmal war es für mich eine interessante Erfahrung, solch eine Figur kennenzulernen. Alexander Adolph und Eva Wehrum hatten damals die Idee für die Serie und haben großartige Drehbücher geschrieben. Schaller und ich stammen aus der gleichen Zeit und da ich in München aufgewachsen bin, konnte ich meine persönliche Erfahrung bei der Entwicklung mit einbringen. Seine Aussprache, seine Körperhaltung, Mimik und Gestik entwickelte ich dann mit der Hilfe des Drehbuches aus meiner Fantasie heraus.

Was dachten Sie, als Sie zum ersten Mal das Drehbuch lasen und Ludwig Schaller begegneten?

Was für eine schräge Person (lacht). 

Er hat einen besonderen Charakter und seine eigene Art bei den Ermittlungen. Schaller scheint ruhig und fokussiert auf den Fall. Manchmal jedoch kommt auch eine schöne Komik bei ihm durch. Wie oft enden solche Szenen beim Dreh in einem Lachanfall und müssen vielleicht dadurch wiederholt werden?

Das haben wir weniger. Wir dürfen uns als Schauspieler beim eigenen Spaß an der Sache nicht erwischen lassen, sonst ist es für den Zuschauer nicht lustig und hat sich falsch übertragen. Es gilt immer für uns, aus der Situation heraus zu spielen. Wir haben natürlich auch unseren Spaß beim Dreh, wenn das ein oder andere ungeplante Missgeschick passiert (lacht). Zum Beispiel, wenn Bernadette Heerwagen (Angelika Flierl) einen Asservatenbeutel hält, ich ein Handy hineinwerfe, der Beutel reißt und das Handy krachend zu Boden fällt. Wir spielten dann erstmal weiter, als stünde das im Drehbuch. Passiert sowas allerdings mehrfach hintereinander, wie in diesem Fall, fingen auch wir irgendwann schallend an zu lachen und mit der Ernsthaftigkeit war es vorbei.

In der kommenden Woche wird bereits der neunte Teil ausgestrahlt. Wie hat sich das Team in den letzten Folgen entwickelt?

Insgesamt hat sich das Team sehr schön entwickelt. Angelika Flierl hat zu Beginn nichts auf die Reihe bekommen und kam durch Vitamin B des Onkels, welcher Polizeipräsident war, hinzu. Schaller hat zu Beginn versucht, sie ein wenig an die Hand zu nehmen und ihr viel mitzugeben. Das brachte automatisch jede Menge Humor mit sich. Ich denke, wir haben noch so viele Möglichkeiten Schaller und das Team weiterzuentwickeln und ich bin schon sehr neugierig, wie es weitergehen wird.

Michael Mittermeier, Alexander Held und Bernadette Heerwagen in "münchen Mord"

Ein besonderes Trio – die Kommissare Harald Neuhauser (Michael Mittermeier, links), Ludwig Schaller (Alexander Held, Mitte) und Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen, rechts). Foto: ZDF/Hendrik Heiden

Gibt es bei Ihnen die Möglichkeit, sich als Schauspieler in die Stoffentwicklung mit einzubringen?

Ja, wir haben bereits nach der ersten Drehbuchfassung die erste Leseprobe, wo wir unsere Ideen mit einbringen dürfen. Sind unsere Ideen und Argumente sehr gut, werden sie oftmals auch umgesetzt. Die Drehbuchautoren und Redakteure nehmen dann unsere Anregungen in der nächsten Fassung mit auf und es kommt im Anschluss zu einer erneuten Leseprobe. Dieses Verfahren wiederholt sich mehrfach, was für mich als Schauspieler sehr schön ist, so arbeiten zu können.

Eine so frühe Leseprobe ist sehr ungewöhnlich, spricht aber für den großen Serienerfolg.

Unsere Serie ist sehr umfangreich und diese frühen Leseproben haben nur ihren Vorteil. Denn in „München Mord“ geht es nicht nur darum, wer der Mörder ist. Wir erzählen meist noch Geschichten, die über das Übliche hinausgehen. So wie jetzt auch der neunte Teil im Untergrund eine besondere Geschichte erzählt. Unser Format greift oftmals allgemeine Fragen auf, zum Beispiel des Seins oder der Stadt.

Ist diese intensive Zusammenarbeit das Erfolgsrezept des Formates?

Ich glaube, unser Erfolg liegt darin, dass wir keinen realistischen Anspruch eines Kriminalfalls haben. Wir verlassen gerne ganz bewusst diese Ebene, weil in so einer kurzen Sendezeit kann man nicht die Polizeiarbeit bis ins Detail genaustens skizzieren. Allein das Schreiben der Berichte würde dann schon die Sendezeit füllen und der Zuschauer sicherlich vor lauter Langeweile abschalten (lacht).

Manche Schauspieler finden die langjährige Arbeit mit einer Figur sehr bereichernd. Wie ergeht es Ihnen?

Es ist nicht nur die langjährige Arbeit mit einer Figur sehr bereichernd, auch die Zusammenarbeit mit einem eingeschworenen Team bereichert dich. Wir sind in den letzten Jahren zu einem großartigen Team zusammengewachsen. Wenn die Zusammenarbeit weiterhin so toll bleibt, freue ich mich noch auf viele gemeinsame Jahre.

Was braucht für Sie eigentlich ein guter Krimi-Stoff damit Sie für die Rolle zusagen?

Das kann ich schlecht sagen, das ist immer unterschiedlich. Als ich zum Beispiel das Drehbuch des „Tatort – Im Schmerz geboren“ gelesen habe, wusste ich, es ist ein außergewöhnliches Projekt. Ich dachte mir nur, dass manche „Tatort“ Fans sich bestimmt fragen würden, ob es eine Programmänderung gegeben hat (lacht). Das war schon eine interessante, mutige Mischung aus Francois Truffaut, Sergio Leone und Quentin Tarantino.

Schallers Partner, Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) und Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier), werden immer wieder von ihm überrascht. Mal ermittelt er auf eigene Faust, mal kommt der ein oder andere Kesse Spruch. Gibt es etwas, was Sie gerne noch mit Ihrer Figur umsetzen würden?

Ich könnte mir vorstellen, dass wir mal in die Rockerszene abtauchen. Was auch einmal sehr schön wäre, als Schaller in einem Travestielokal zu ermitteln. Ich glaube, das würde er sehr gut hinbekommen (lacht). Wir könnten in so viele Welten noch eintauchen und die verschiedensten Geschichten umsetzen. München bietet jede Menge Stoff dazu.

Michael Mittermeier, Alexander Held und Wolfgang Fierek in "München Mord"

Ihr neuester Fall führt die Kommissare Harald Neuhauser (Michael Mittermeier, links) und Ludwig Schaller (Alexander Held, hinten) in den Untergrund, wo sie den Clubbesitzer Jochen Schildt (Wolfgang Fierek, rechts) Undercover befragen. Foto: ZDF/Jürgen Olczyk

Eintauchen in verschiedene Welten – macht genau dieser Aspekt Ihres Berufes den Reiz für Sie aus?

Ja, es ist der Reiz der Vielfältigkeit. Zum Glück ist der Geschmack des Publikums sehr vielfältig, was uns wiederum fordert in die verschiedenen Welten einzutauchen. Ein gewisses Niveau bei der Unterhaltung zu erreichen ist dann unsere Aufgabe. Wenn ich zurückblicke habe ich in den letzten Jahren schon sehr viel erlebt. Ich habe mich bereits im alten Rom getummelt, mit Franco Nero einen Film über den heiligen Augustinus gedreht, „Die Päpstin“ war auch eine besondere Welt, ich war im Mittelalter mit Hildegard von Bingen unterwegs und in „Der Untergang“ im Führerbunker. Die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts würden mir noch fehlen, aber vielleicht werde ich schon bald auch in diese Welt eintauchen können. Wer weiß (lacht)?

Was war damals eigentlich der Auslöser das Sie den Beruf erlernten?

Es gab keinen direkten Auslöser. Mein Vater war Schauspieler und nahm mich, als kleinen Jungen sehr viel mit zu den Proben. Außerdem sah ich ihm oft beim Text Lernen zu. Durch seine Kontakte spielte ich in jungen Jahren in einer Fernsehserie mit. Es machte unheimlich Spaß. Mein Vater merkte schnell, dass dieser Beruf auch mich begeisterte, jedoch war er der Auffassung, dass ich selbst meinen Weg dorthin finden muss. Er wollte mich durch seine vielen Kontakte bewusst nicht pushen, was im Nachhinein gesehen für mich sehr gut war. Im Grunde genommen hat man auch keine Wahl und man muss den Weg selbst dorthin finden. Das Schauspiel ist kein Beruf, den man sich aussucht, es ist eine Berufung, die einen selbst findet. Meine Mutter war damals sehr skeptisch, weil sie durch meinen Vater die Schauspielwelt sehr gut kannte. Wer hat aber am meisten Werbung für meine erste Premiere gemacht? Meine Mutter. Sie hat jedem gesagt, dass man dieses Theaterstück unbedingt sehen muss (lacht).

Alexander Held in "München Mord"

Eine heiße Spur führt Ludwig Schaller (Alexander Held) in seinem neuen Fall in den Untergrund. Foto: ZDF/Jürgen Olczyk

Am kommenden Samstag, den 21. September 2019, ist Alexander Held („Schindlers Liste“, „Sophie Scholl – Die letzten Tage“) in „München Mord: Die Unterirdischen“ zu sehen. Eine verzwickte Geschichte, die so wahrhaftig und lebendig ist, dass ein abschalten schwerfällt. Das Drehbuch stammt von Friedrich Ani. Regie führte Jan Fehse („Spreewaldkrimi“, „Tattoo“).

 

„München Mord: Die Unterirdischen“

(pm) – Auf einem Münchner Friedhof werden in einer Mülltonne eine Leiche und ein zerschnittener Personalausweis des Opfers gefunden. Es stellt sich heraus, dass der Fundort nicht der Tatort ist. Schaller (Alexander Held) vermutet einen Tat-Hintergrund im Untergrund. Wie recht er behalten soll, wird klar, als die Nichte des Verstorbenen, Tine (Lilliane Zillner), einen geheimen Untergrund-Klub erwähnt. Dieser wird zum Fokus der Ermittlungen. Alle Verdächtigen des Falles haben auf die eine oder andere Weise mit dem ominösen Klub zu tun. Aber niemand will sagen können, wo er ist. Erst, nachdem in die Wohnung der Journalistin Miriam (Giulia Goldammer), einer guten Freundin von Tine, eingebrochen wurde und Miriam verschwunden ist, erzählt Tine endlich mehr von dem High-Society-Konzept des Klubs.