Interview des Monats

Matthias Koeberlin im Interview des Monats: „Niederlagen bringen dich weiter“

Spannender Start in die nächste Woche

 

Matthias Koeberlin (45) hat das Talent, spannende und geheimnisvolle Charakter darzustellen. Wir sprachen deshalb mit ihm über den neuen Teil der beliebten Serie „Die Toten vom Bodensee – Die Meerjungfrau“, indem er erneut in der Rolle als Kommissar Micha Oberländer überzeugt.

 

Herr Koeberlin, der neue Teil ist packend, spannend und für einen Krimi außergewöhnlich emotional. Würden Sie sagen, viele Emotionen in einem Krimi sind gut oder doch eher gewagt?

Ich finde, die Mischung aus diesen drei Komponenten sehr gut und mag Krimis, in denen eine private Komponente mit einfließt. Emotionen gehören für mich zu einem Film oder einer Serie dazu. Für mich als Schauspieler wird die Rolle dadurch erst interessant und reizvoll. Ohne Emotionen wäre es trostlos. Das ist aber ganz klar Geschmackssache. Manche mögen lieber die klare Krimihandlung – ein Opfer, ein Täter, ein Ermittler und am Ende die Falllösung. Wiederum andere wünschen sich eine zweite Ebene und bevorzugen einen privaten oder emotionalen Faktor.

Wie sieht ein perfekter Filmabend bei Ihnen aus? Lieber Action oder doch eher jede Menge Emotionen?

Sowohl als auch. Obwohl ich ja selbst in dem Metier arbeite, kann ich wunderbar bei einem Film abschalten. Ich achte dann nicht auf die Kameraführung, frage mich nicht, wie sie die eine oder andere Szene gedreht haben. Wenn mich ein Film packt, lasse ich mich emotional mitreißen. Da kann auch mal eine Träne fließen. Aber genauso begeistern mich krachende Actionszenen. Die Mischung macht es bei mir immer (lacht).

Worin liegt der Vorteil einer Krimiserie gegenüber einem Krimifilm?

Bei der Serie hast du viel mehr Zeit, was ein unheimlicher Segen und Vorteil für die Entwicklung der Figuren ist. Natürlich kannst du auch bei einem 90-Minüter einen gewissen Bogen für deine Figur spannen, aber wenn diese über Jahre reifen kann, hat sie einen unheimlichen Mehrwert in vielerlei Hinsicht. So bleibt es immer spannend und du hast als Schauspieler viel mehr die Möglichkeit, dich bei der Entwicklung deiner Figur miteinzubringen.

Ist dies vielleicht ein Erfolgsgeheimnis für „Die Toten vom Bodensee“?

Das ist gut möglich. Wir hatten anfangs natürlich nicht mit einem so großen Erfolg gerechnet. Schon gar nicht damit, dass wir jetzt schon im sechsten Jahr drehen. Bei einem Film oder eine Serie kannst du dich ja nicht vorab hinstellen und sagen: Wir drücken jetzt diese und jene Knöpfe, dann wird es ein Erfolg. „Die Toten vom Bodensee“ ist ein besonderes Format und wir sind anders. Das sind sicherlich auch zwei wichtige Faktoren für unseren Erfolg.

Vor der Kamera bringt eine gelungene Teamarbeit die Kommissare Micha Oberländer und Hannah Zeiler zum Ziel. Wie wichtig ist dies hinter der Kamera?

Man muss nicht beste Freunde werden und jeden Abend zusammensitzen, aber eine gewisse Sympathie füreinander macht vieles am Set leichter. Ich bilde mir immer wieder ein, dass der Zuschauer am Ende sehen kann, ob die Chemie am Set stimmte.

Nora Waldstätten und Matthias Koeberlin in "Die Toten vom Bodensee - Die Meerjungfrau"

Ein außergewöhnliches Team, sowohl vor als auch hinter der Kamera – Hannah Zeiler (Nora Waldstätten, links) und Micha Oberländer (Matthias Koeberlin, rechts). Foto: ZDF/Petro Domenigg

Micha Oberländer hatte in den letzten Folgen mit besonderen Fällen und ein wenig mit sich selbst zu kämpfen. Wie wird es in der neuen Folge mit ihm weitergehen?

Er hat einen besonderen Fall mit Frau Zeiler zu lösen und natürlich kracht es ein wenig zwischen ihnen. Außerdem wird bei ihm auf der privaten Ebene einiges passieren. Mit seiner Familie und seiner Frau wird es noch einige Täler geben, die es zu durchschreiten gilt. 

Er muss mit einem schweren Schicksalsschlag zurechtkommen. Haben Sie ein Geheimrezept, wie Sie beruflich mit Rückschlägen umgehen?

So platt und flach es klingt, aber ich glaube fest daran, dass man an solchen Momenten wächst. Das ist gerade zu Beginn der Schauspielkarriere nicht einfach, weil du nur dich selbst anbieten kannst. Schnell suchst du dadurch die Fehler bei dir selbst. Die Entscheidungsfindung bei einer Rollenbesetzung ist vielfältig, das darfst du dir nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Diese kleinen Niederlagen gehören zum Beruf dazu. Wenn mir ein Projekt am Herzen liegt und die Absage kommt, trifft es mich nach all den Jahren immer noch. Aber ich wachse jedes Mal daran, lerne daraus und versuche, es nicht persönlich zu nehmen.

Gerade in der Ausbildung gehören Ablehnung, Kritik bis hin zu Hohn und Spott oftmals dazu. Es sind keine einfachen Lehrjahre, wie mir bereits mehrfach berichtet wurde.

Das ist aber das Gute an einer Schauspielausbildung oder einem -studium. Du lernst sehr früh mit Ablehnung, Niederlagen, Kritik und Scheitern umzugehen. Unabhängig vom Handwerk ist die kleine Rüstung, mit der du dann später in die Filmwelt ziehst, sehr wichtig für das spätere Weiterkommen. Niederlagen bringen dich weiter, sowohl beruflich als privat, auch wenn es einem im ersten Moment nicht so erscheint.

Was können Sie dem Nachwuchs mit auf den Weg geben für die ersten Jahre?

Man sollte versuchen nicht alles persönlich zu nehmen und sich schnell ein dickes Fell aneignen. Ein zwei Tage Trübsal blasen sind nach einer Absage oder einem Rückschlag völlig okay und die Zeit sollte man sich auch nehmen. Dann sollte man aber wieder aufstehen und bei der nächsten Gelegenheit wieder alles geben.

Es ist in jeglicher Hinsicht nicht einfach, wenn man seinen Traum vor Augen hat und ausgebremst wird. Man denkt, es ist der eine Job, der einen schneller zum Traumziel bringt und dann bekommt man diese eine Chance verwehrt.

Einfach ist es nicht. Aber ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass wenn eine Tür krachend zuschlägt, geht meist eine andere schon gleich wieder auf. Man geht dann vielleicht einen kleinen Umweg, den man sich vorher nicht so erdacht hat, aber letztendlich kommst du auch so an dein Ziel. Es dauert vielleicht etwas länger, aber bei mir kam es dann meist besser als vorher gedacht. Die Wege sind verschlungen und es gibt immer wieder Möglichkeiten, sein Traumziel zu erreichen. Man darf nur nicht aufgeben, daran zu glauben.

Sie wollten eigentlich Journalist werden. Wie kamen Sie eigentlich zum Film?

Mein Abitur war damals nicht das Beste, ich hätte lange auf den notwendigen Studienplatz warten müssen. Während meines Zivildienstes las meine Mutter einen Artikel über die Babelsberger Filmhochschule in Berlin und fragte mich, ob ich nicht einfach mal dort vorsprechen möchte.

Nora Waldstätten Matthias Koeberlin in "Die Toten vom Bodensee - Die Meerjungfrau"

Über Umwege kam Matthias Koeberlin (rechts) zum Film. Neben Nora Waldstätten (links) ist er am kommenden Montag wieder im ZDF zu sehen. Foto: ZDF/Patrick Pfeiffer

Was dachten Sie in diesem Moment?

Ich dachte, was ist jetzt los. Wie kommt sie auf dieses schmale Brett (lacht)? Das kam völlig überraschend für mich. Trotzdem habe ich meine Stücke einstudiert und bin zusammen mit meinem Bruder dorthin gefahren. Das Auswahlverfahren ging über zig runden und ich wurde tatsächlich angenommen. Meine Mutter erahnte wohl etwas und ich bin ihr bis heute sehr dankbar, dass sie mich in die richtige Richtung gestupst hat. Es dauerte zwar lange, bis ich realisierte, dass ich einmal Schauspieler werde, aber vielleicht war es auch sehr gut, dass ich am Anfang nicht zu viel daraufgesetzt habe. Ich konnte dadurch Vieles mit einem Augenzwinkern und einem gewissen Humor betrachten, was es in der Filmbranche einfacher macht. Für mich war die schreibende Zunft wirklich einmal der Traum. Aber da sind wir wieder bei den verschlungenen Wegen – es kommt meist anders, als man denkt und in meinem Fall kam es am Ende besser als gedacht.

Sie sind jetzt mehr als 20 Jahre in der Branche tätig. Meistens hält es genau die Persönlichkeiten lange in dem Business, die es nie planten und der Beruf sie auf Umwege gefunden hat. Für mich ist das Schauspiel eine Berufung und es findet einen meistens von selbst.

Das stimmt. Ich bin natürlich nach all den Jahren in der Luxusposition und kann leicht reden, weil ich sehr viel gebucht werde. Es gibt aber auch die andere Seite, die man nie vergessen darf. Letztendlich gehört auf diesem langen Weg auch einfach die richtige Portion Glück dazu.

Hary Prinz, Matthias Koeberlin, Nora Waldstätten und Stefan Pohl drehen derzeit "Die Toten vom Bodensee - Fluch aus der Tiefe (AT)"

Derzeit dreht Matthias Koeberlin (zweiter von links) für den neuen Teil „Die Toten vom Bodensee – Fluch aus der Tiefe (AT)“  am Bodensee. Mit dabei sind auch Hary Prinz (links), Nora Waldstätten (zweite von rechts) und Stefan Pohl (rechts). Foto: ZDF/Patrick Pfeiffer

Matthias Koeberlin ist zusammen mit Nora Waldstätten am 21. Oktober 2019 um 20:15 Uhr in „Die Toten vom Bodensee – Die Meerjungfrau“ im ZDF zu sehen. Der neunte Teil der beliebten Krimiserie ist packend und fesselnd von der ersten bis zur letzten Minute. Regie führte Michael Schneider („Soko“, „Wilsberg“), der überwiegend nur Krimis verfilmt.

 

„Die Toten vom Bodensee – Die Meerjungfrau“

(pm) – Die Kommissare Micha Oberländer (Matthias Koeberlin) aus Lindau und Hannah Zeiler (Nora Waldstätten) aus Bregenz werden zum Ufer des Bodensees gerufen, wo eine Meerjungfrau erschlagen im seichten Wasser gefunden wurde. Auf der nahegelegenen Freifläche tauchen Zeiler und Oberländer in die Welt junger Wassersportler ein, von denen Matteo (Aaron Friesz) unter Tatverdacht verletzt entkommt. War er der Täter oder sollte auch er dem Mörder der Meerjungfrau, Sybille Baumgartner, zum Opfer fallen? Vielleicht konnte er aber auch entkommen und hat den Täter gesehen? Neben der atemlosen Suche nach Matteo tauchen Oberländer und Zeiler auf einem edlen Bodensee-Weingut mit Restaurant in die tragischen Familienverhältnisse um Sybille ein, die ihren Mann Fabian Baumgartner (Sebastian Bezzel) und die gemeinsame Tochter Emma (Luca Gartner) zurückgelassen hat. Emma, die in ihrer jugendlichen Rebellion auf eigene Faust versucht, das Schicksal der Mutter aufzuklären, gerät daraufhin in Gefahr, als Oberländer und Zeiler die naturverbundenen Wassersportler als skrupellose Verbrecher entlarven und sich auch hinter der scheinbar heilen Weingutwelt tiefe Risse auftun. Oberländer erfährt schmerzhaft, dass Sybille, genau wie er, einen Neuanfang wagte und dabei alles verlor, dass sie je geliebt hat.

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