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#lookbehind mit den „Bergrettern“ – Darstellerin Gundula Niemeyer: „Die Vielseitigkeit meines Berufes macht ihn besonders“

Teil zwei unserer Sonderinterviewreihe

 

Seit der dritten Staffel verzaubert Gundula Niemeyer (41) als Dr. Verena Auerbach die Zuschauer der erfolgreichen ZDF-Serie „Die Bergretter“. Sie sprach mit uns über die außergewöhnlichen Dreharbeiten und die Herausforderungen einer Arztrolle.

 

Frau Niemeyer, morgen starten die neuen Folgen. Was wird sich in der kommenden Staffel für Dr. Verena Auerbach verändern?

Eigentlich wird sich nicht viel für Verena verändern. Sie bekommt aber einen Anruf, den sie zum Anlass nimmt, ihr Leben in der Ramsau zu überdenken. Eine kleine Herausforderung, die sie aber gut meistern wird.

Verena hat einen sehr interessanten Charakter. Wie würden Sie diesen mit drei Eigenschaften beschreiben?

Sie ist sehr zielstrebig. Lässt sich nichts erzählen und weiß, wo es lang geht. Ich liebe ihren trockenen Humor und finde es immer ganz toll, wie sie mit ihrem Freund Michi (Robert Lohr) agiert. Dies alles macht unheimlich viel Spaß im Spiel.

Gibt es Überschneidungen zu Ihrem Charakter?

Ja, was den trockenen Humor angeht (lacht). Das nutzen wir meist für die Dreharbeiten und ändern manchmal vor Ort ein klein wenig die Szene im Drehbuch ab.

Sie dürfen sich also bei der Rollenentwicklung miteinbringen?

Wir haben einen sehr guten Kontakt zu unserer Producerin. Grundlegende Sachen dürfen wir natürlich nicht während der Dreharbeiten einfach so abändern und müssen diese vorab mit ihr abklären. Kleinigkeiten dürfen jedoch schon für die Stimmigkeit abändern.

Hat dies für Sie Vorteile im Spiel?

Auf jeden Fall. Nach all den Jahren kenne ich meine Figur sehr gut und weiß genau, wie sie in bestimmten Situationen reagiert. Die Drehbuchautoren haben eine andere Nähe zu Verena als ich. Diese Feinheiten abzuändern, ist sehr wichtig, um am Ende Verena vollkommen zu machen.

Bei den „Bergrettern“ wird wenig gedoubelt und die Schauspieler müssen sehr viel körperlich und mental leisten. Gab es für Sie während der Dreharbeiten eine besondere Herausforderung, die Sie viel Überwindung kostete?

Bevor du eine Rolle bei den „Bergrettern“ bekommst, wirst du gefragt, ob du Höhenangst hast, schwindelfrei bist oder ähnliches. Da ich natürlich vorher noch nie in meinem Leben Helikopter geflogen bin, sagte ich natürlich, dass ich total Lust darauf habe. Als ich dann das erste Mal dort einstieg, habe ich solche Angst bekommen, das war unglaublich. Ich dachte nur: oh Gott! Die Drehbuchautoren nutzten es, um Verena eine Flugangst zu attestieren. Das ist ganz praktisch für mich, weil ich in diesen Szenen nicht spielen muss und eher Gundula im Helikopter sitzt, die ihre Angst zeigt (lacht).

Gundula Niemeyer und Robert Lohr in "Die Bergretter"

Dr. Verena Auerbach (Gundula Niemeyer, links) und Michael Dörfler (Robert Lohr, rechts) fliegen gemeinsam über den Wolken. Trotz Angst lässt es die Schauspielerin sich nicht nehmen, solche Szenen wie in der Folge  „Über den Wolken“ zu drehen. Foto: ZDF/Hardy Spitz

Sie sind also privat eher der Typ, der sich seinen Ängsten stellt und die Dinge anpackt?

Ja, so bin ich. Ich packe es immer an. Das weiß das Team am Set auch. Ich würde niemals vor dem Heli stehen und nicht einsteigen (lacht).

Diese starke Einbindung der Schauspieler, das nicht ständige doubeln und diese einzigartigen Szenen geben dem Format weltweit eine besondere Note.

Ich denke auch immer: Hut ab! In meiner Rolle muss ich bei weitem nicht diese großen Leistungen, wie zum Beispiel Sebastian Ströbel oder Ferdinand Seebacher vollbringen. Wie meine Kollegen sich da reinstürzen ist unglaublich. Manchmal bin ich ganz froh, dass ich „nur“ im Krankenhaus drehe. Dem Team wird so viel abverlangt und trotzdem sind alle Feuer und Flamme, machen das so gerne.

Eine Arztrolle hat durch die medizinischen Aspekte aber auch eine besondere Komponente. Hatten Sie vor Ihrer Rolle bereits medizinische Fachkenntnisse?

Ich wollte zwar mal Zahnärztin werden, hatte aber damals zu Drehbeginn überhaupt keine medizinischen Kenntnisse. Wir haben während der Dreharbeiten sehr liebe Kollegen aus dem Schladminger Krankenhaus am Set. Sie beraten uns und geben mir wichtige Hilfestellungen für meine Rolle. Gerade für die Szenen im Krankenzimmer, wenn zum Beispiel jemand wiederbelebt werden muss, ist das unheimlich wichtig. Da ich diese Tätigkeit nicht jeden Tag ausübe, vergesse ich recht schnell winzige Details, die aber für diese Rolle unerlässlich sind. Das fängt bei den medizinischen Begriffen an und endet bei diversen Handgriffen, die je nach Krankheitsfall immer anders sind. Vieles ist in erster Linie recht emotionslos, was das Spiel nicht unbedingt erleichtert.

Sie meinen diesen Funktionsmodus eines Arztes, der dadurch recht kühl und emotionslos in einem Einsatz wirkt?

Ja genau. Oft werden nur Informationen ausgetauscht und es ist nur ein Handeln. Dort finden wenig Emotionen Platz, was ich zu Beginn meiner Rolle lernen musste. Ich habe dafür die Ärzte ganz genau beobachtet. Es ist ein großer Vorteil, dass wir bei laufendem Betrieb im Krankenhaus drehen können. Dadurch gewinne ich viele Eindrücke, die für die Dreharbeiten sehr wichtig sind.

Was für Eindrücke haben Sie gewonnen?

Ich bewundere immer wieder, wie die Ärzte einen kühlen Kopf bewahren. Sie bleiben auf dem Boden und sind unheimlich relaxt, dass finde ich grundsätzlich irre bei Ärzten. Sie geraten in keine Panik und machen einfach ihren Job. Dies zu sehen ist einfach beeindruckend und ich versuche immer, dies für die Dreharbeiten zu verinnerlichen.  

Mitten im Krankenhausalltag zu drehen ist sicherlich nicht einfach. Wie dürfen wir uns das genau vorstellen?

Das ist wirklich nicht einfach. Wir begegnen sehr kranken Menschen und bekommen manchmal auch das ein oder andere schwere Schicksal mit. Nach solchen Momenten drehen zu müssen ist sehr unangenehm und keineswegs einfach. Aber es gibt natürlich auch die Momente, wo die Menschen sich freuen uns bei der Arbeit zuschauen zu können. Wir sind dort sehr bekannt und wenn wir im Flur drehen, muntern wir den ein oder anderen Patienten oder Arzt des Öfteren auf, was natürlich sehr schön ist. Im Krankenhaus nutzen wir die Büros oder einzelnen Untersuchungsräume. Die Intensivstation haben wir in der Ramsau in einem ehemaligen Autohauskeller nachgebaut. Es ist unglaublich, wie die Requisite dies nachgebaut hat.

In dieser Staffel hatten Sie drei Regisseure – Heinz Dietz („Heldt“), Steffen Mahnert („In aller Freundschaft“) und Dirk Pientka („SOKO Wismar“). Wie förderlich ist solch ein Wechsel während der Dreharbeiten?

Das ist immer ganz unterschiedlich. Da jeder Regisseur anders arbeitet, besteht die Herausforderung darin, sich entsprechend schnell anzupassen. Hierzu kontaktiere ich meist vorab meine Kollegen, um näheres zu erfahren. Ich muss den Regisseur und seine Arbeit sehr gut kennenlernen, damit ich genau weiß, was er von mir im Spiel erwartet.

Eine gute Bindung zum Regisseur – für Sie ein Muss?

Grundsätzlich ist mir eine gewisse Harmonie bei der Arbeit sehr wichtig. Ich muss mich wohlfühlen am Set. Aber ich habe auch schon erlebt, dass mich die ständige Kritik eines Regisseurs zur Höchstleistung gebracht hat. Was für das Endergebnis von Vorteil war.

2004 haben Sie an der „Schule für Schauspiel“ in Hamburg ihre Ausbildung abgeschlossen. Was reizt Sie besonders an diesem Beruf und gab Ihnen den Anlass doch nicht Zahnärztin zu werden?

Es ist die Vielseitigkeit, die der Beruf mit sich bringt. Ich mag es sehr, ständig an anderen Orten, die unterschiedlichsten Rollen spielen zu können. Hinzu kommt das die Teams ständig wechseln und man sich immer wieder auf andere Menschen einstellen muss. Es ist nicht immer einfach, aber diese Abwechslung gefällt mir richtig gut. Wenn ich mir vorstelle, jeden Tag in Münder reinzuschauen und von nine to five ständig das Gleiche zu erleben, bin ich sehr froh, dass ich mich dagegen entschieden habe (lacht).

Gundula Niemeyer

Ob Comedy oder eine Arztrolle, Gundula Niemeyer hat Ihre Berufung im Schauspiel gefunden und liebt die Vielseitigkeit des Berufes. Foto: Elena Zaucke

Vor dem Gespräch haben uns zahlreiche Fragen von Ihren Fans erreicht, die wir in einer kleinen Auswahl gerne zum Abschluss an Sie richten möchten. Ihre Lieblingsszene, die Sie bisher bei den „Bergrettern“ gedreht haben?

Meine absolute Lieblingsszene kommt in der neuen Staffel. Zum Inhalt kann ich deshalb noch nichts verraten, aber ich bin mir sicher, die Fans werden genau wissen welche ich meine (lacht).  Diese Szene hat während des Dreh unheimlich Spaß gemacht. Ein kleiner Hinweis von mir: Die Szene ist mit Robert Lohr (Michi).

Sehen Sie sich gerne selbst im Fernsehen?

Das mache ich nicht gerne, aber um für die kommenden Projekte zu lernen, ist es sehr wichtig. Manchmal habe ich ein unheimlich schlechtes Gefühl während der Dreharbeiten und am Ende ist das Endergebnis super geworden. Manchmal ist es aber auch genau umgekehrt. Nur das eigene Sehen bringt dich weiter.

Werden bald die Hochzeitsglocken für Verena und Michi läuten?

Keine Ahnung (lacht).

Ihr Lieblingsort in der Ramsau?

Die Ramsau ist super schön, aber mein absoluter Lieblingsort ist mein Hotel. Es gibt dort bestimmte Zimmer, die nach vorne zur Straße gerichtet, den besten Blick auf die Berge bieten. Am schönsten ist es, wenn man sehr früh aufstehen muss. Die Sonne geht hinter den Bergen auf und der Nebel lichtet sich langsam. Vor allem im Herbst ist dieses Naturschauspiel wunderschön.

Sie sind in der NDR Doku „Pilgern im Norden“ von Bad Doberan nach Lübeck ein Stück des Jakobsweg gepilgert. Würden Sie noch einmal pilgern?

Das war unheimlich interessant und ich würde es wieder machen. Allerdings diesmal mit leichterem oder ohne Gepäck (lacht). Grundsätzlich laufe ich sehr gerne. Es ist unheimlich schön, wenn du dein Ziel erreicht hast.

Robert Lohr, Gundula Niemeyer, Heinz Marecek und Ferdinand Seebacher in "Die Bergretter"

Ein kleiner Teil des Teams geht in der Folge „Über den Wolken“ gemeinsam auf die Suche – Michael Dörfler (Robert Lohr, hinten links), Dr. Verena Auerbach (hinten rechts), Franz Marthaler (Heinz Marecek, vorne links) und Simon Plattner (Ferdinand Seebacher, vorne rechts). Foto: ZDF/Hardy Spitz

Am 07. November 2019 startet um 20:15 Uhr im ZDF die elfte Staffel der beliebten Serie „Die Bergretter“. Spannende Geschichten und atemberaubende Szenen bieten dem Zuschauer erneut ein einzigartiges Erlebnis. Am Montag hat bereits Hauptdarsteller Sebastian Ströbel spannende Einblicke in die Dreharbeiten gegeben. In der nächsten Woche gibt Ferdinand Seebacher Einblicke in die „Bergretter“ Welt.

 

„Die Bergretter – Wiedersehen“:

(pm) – Die Buchrestaurateurin Paula besucht zusammen mit ihrem Mann Georg und ihrem zwölfjährigen Sohn Jannis ihren alten Arbeitsplatz im Kloster Wiesbrunn. Dort treffen sie auf Bruder Elias, mit dem Paula einst sehr viel verband. Elias ist auf der Suche nach einer alten Lutherbibel, die vor langer Zeit von Protestanten über die Ramsauer Berge geschmuggelt worden ist. Mit Paulas Hilfe findet er den entscheidenden Hinweis und macht sich anschließend allein auf den Weg ins Hochgebirge. Nach einem Steinschlag wird er jedoch verschüttet und schwer verletzt. Werden Markus und sein Team Elias noch lebend finden? Auf Emilies Hof verabschiedet sich Tobias. Mit seiner Affäre in Südtirol hat er Emilie so verletzt, dass die Ehe am Ende ist, und Tobias Ramsau verlässt. Seinen Bergretter-Kollegen Katharina, Markus, Rudi und Michael bleibt nicht viel Zeit für den Abschied – sie werden zu einem Einsatz gerufen: Simon Plattner, Controller im Hotel Herbrechter, ist beim Klettern in große Gefahr geraten. Mit einer waghalsigen Aktion kann er schließlich von den erfahrenen Bergrettern geborgen werden. Sie ahnen noch nicht, dass ausgerechnet Simon bald schon Teil ihres Teams sein soll – wenn es nach Peter Herbrechter geht.