Cast & Crew

#lookbehind mit den „Bergrettern“ – Hauptdarsteller Ferdinand Seebacher: „Freiwillige Helfer, sind die wahren Helden des Alltags“

Letzter Teil der Sonderinterviewreihe

 

Heute endet unsere dreiteilige Interviewreihe mit dem neuen Gesicht von der beliebten und erfolgreichen ZDF-Serie „Die Bergretter“ Ferdinand Seebacher (30). Wir sprachen mit ihm über die Entwicklung seiner Figur, seine Leidenschaft zu den Bergen und die Herausforderungen der einzigartigen Filmproduktion.

 

Herr Seebacher, Sie sind seit letzter Woche in der Serie „Die Bergretter“ als Controller Simon Plattner zu sehen. Wie verlief Ihr Casting für diese besondere Rolle, die von starkem Körpereinsatz geprägt ist?

Das Casting verlief eigentlich wie bei den meisten anderen Castings auch (lacht). Zuerst gab es ein E-Casting, wo sie schauten, wie ich spreche und mich verhalte. Daraufhin folgten drei Konstellationcastings in denen wir mit den bereits besetzten Schauspielern eine Szene nachstellten. Ich habe dort mit Sebastian Ströbel und Maxi Warwel eine Szene gespielt. Bei diesem Casting wird geschaut, wie ich in das Format passe und ob das Zusammenspiel harmoniert. Da die Caster wussten, dass ich in den Bergen aufgewachsen bin und sehr gerne klettere, brauchte ich mich in dieser Disziplin nicht zu beweisen. Da haben Sie mir blind vertraut (lacht). Grundsätzlich ist es bei den „Bergrettern“ kein Muss solche Kenntnisse mitzubringen, da wir durch die ständige Begleitung der originalen Bergretter immer die Möglichkeit haben, selbst einen unerfahrenen Schauspieler für die Dreharbeiten vorzubereiten.

„Die Bergretter“ ist ein sehr beliebtes Format. Waren Sie vor dem Casting mit der Serie bereits vertraut oder haben Sie sich die Folgen erst davor genaustens angeschaut?

Da ich in Schladming groß geworden bin, ist mir die Serie natürlich bekannt. Ich muss allerdings gestehen, dass ich nicht der große Serien Junkie bin. Zur Vorbereitung für das Casting und die Dreharbeiten habe ich nur ein wenig reingeschnuppert, um ein Gefühl für das Format zu bekommen. Mir ist es wichtig, nicht zu voreingenommen in die Dreharbeiten zu gehen. Ich wollte mich nicht verbiegen oder verstellen, was eine zu intensive Auseinandersetzung mit bereits bestehenden Folgen mit sich bringen könnte.

Es ist also ein großer Vorteil, sich nicht zu intensiv mit dem vorher gezeigten Format auseinanderzusetzen?

Ja. Es ist für mich nur wichtig ein Gefühl für die Serie zu bekommen. Was ist sie? Was sagt sie aus? Was ist gefragt? Es wäre sehr verwegen, einfach Blindlinks in ein Projekt zu springen. Da meine Rolle auch komplett neu angelegt wurde, haben wir eher mit der Produktion und Redaktion geschaut, wer Simon ist und ihn gemeinsam entwickelt.

Gemeinsam entwickeln – ein gutes Stichwort. Mir ist aufgefallen, dass Ihre Figur den Namen Ihrer Großmutter Rosina Plattner trägt. Sie ist weltweit für ihre besonders farbenfrohen und realistischen Aquarelle bekannt. Ist dieser Aspekt Ihrer Figur eher ein Zufall oder Absicht?

Es ist kein Zufall und ich habe den Namen ganz bewusst gewählt. Als ich vor dem Dreh ein Treatment bekam, wo Simon beschrieben wurde, fehlte der Nachname. Ich rief daraufhin die Producerin an, um zu erfragen, ob er schon einen Nachnamen hat. Ich erklärte ihr das der Name Plattner aus dem Südtiroler Raum kommt. Es war die Familie der Platten- und Schildermacher. Der Dialekt klingt ein bisschen derb und hart, recht passend. Da Simon jemand ist, der sich nicht schnell hinter sein imaginäres Schild schauen lässt, eher ein Eigenbrötler, eben auch derbe und hart ist, passte es als Metapher natürlich sehr gut zu ihm. Aber in erster Linie wählte ich den Namen als Hommage an meine Großmutter. Sie hat mich künstlerisch sehr geprägt und hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Zu klassischer Musik saß ich als Kind oft in ihrem Atelier und habe ihre Aquarelle nachgemalt. Sie nahm mich mit ins Theater und zu Konzerten. Deshalb freut es mich natürlich sehr, dass die Redaktion meinen Vorschlag angenommen hat und Simon diesen Namen jetzt trägt.

Solch eine Feinheit formt die Figur zu einem speziellen Charakter und macht das Format zu etwas besonderem.

Ja, in diesem Fall ist es so. Rosina war als Kind und Jugendliche auf der Silberkarhütte die unserer Familie gehört und hat diese auch bewirtet. Die Silberkarklamm ist ein beliebtes Motiv der „Bergretter“ und es gibt dort einen Klettersteig (Rosina Klettersteig), den mein Cousin nach ihr benannt hat. All das was in den „Bergrettern“ vorkommt, findet sich darin auch wieder und hat somit eine intensive Bindung.

Lusie Bähr, Sebastian Ströbel, Michael Pascher, Michael König, Ferdinand Seebacher und Robert Lohr in "Die Bergretter"

Simon Plattner (rechts außen) ist neu im Team der Bergrettung Ramsau. Peter Herbrechter (Michael König, zweiter von rechts) hat ihn als Nachfolger von Tobias Herbrechter (Markus Brandl) vorgeschlagen. Katharina Strasser (Luise Bähr, links außen), Markus Kofler (Sebastian Ströbel, zweiter von links), Rudi (Michael Pascher, dritter von links) und Michael Dörfler (von hinten) sind skeptisch ob er in das Team passt. Foto: ZDF/Kerstin Stelter

Auf Ihrer Facebookseite bezeichnen Sie die richtigen Bergretter als „die wahren Helden des Alltags“. Was bewundern Sie so sehr an ihnen?

Die Bergretter retten das Leben der Menschen im freiwilligen Dienst ohne jegliche Bezahlung und stellen obendrauf noch ihre Ausrüstung. Es gibt zwar eine kleine Materialförderung, die aber bei weitem nicht die Kosten für Karabiner, Seile, Kleidung und so weiter abdeckt. Sie begeben sich mit einer Selbstverständlichkeit in Gefahr, weil ein anderer Mensch unachtsam oder aus nicht eigenem Verschulden verunglückt ist. Daher gebührt ihnen mein größter Respekt. Neben Feuerwehr oder anderen Institutionen sind es für mich somit die wahren Helden des Alltags. Wenn wir die Bergrettung nicht hätten, gäbe es eine Vielzahl Alpiner Unfälle, die fatal enden würden.

Waren Sie selbst als jugendlicher in der Bergrettung aktiv?

Nein, leider nicht. Ich war eher im Wintersportverein sehr aktiv. Als Kind und Jugendlicher habe ich mich nicht so sehr mit dem Klettern beschäftigt.  Da auch in unserer Familie kaum einer kletterte, bin ich somit nicht mit der Bergrettung in Berührung gekommen. Aber ich absolviere gerade eine Ausbildung zum Bergretter, was mir sehr viel Freude bereitet.

Warum haben Sie sich jetzt dafür entschieden?

Da ich für meine Rollen immer versuche, so gut es geht herauszufinden, wie ich diese am besten fundiert darstellen kann, war es selbstverständlich für mich an den Kursen und Fortbildungen sowie an den Besprechungen der Bergrettung teilzunehmen. Abgesehen davon habe ich ein Händchen dafür, sehr oft als Ersthelfer an einen Unfallort zu kommen. Erst kürzlich war ich für ein anderes Filmprojekt zu einer Nachsynchronisation in Berlin. Als ich zurückkam, ist vor mir in der U-Bahnstation eine 85-jährige Frau die Rolltreppe heruntergefallen. Ich versorgte sie als Ersthelfer und hielt ihr den Kopf, bis sie ins Krankenhaus kam. Solche Momente habe ich auch oft in den Bergen. All das hat zu der Entscheidung geführt, dass ich jetzt diese Ausbildung durchlaufen möchte. Du fühlst dich einfach sicherer, wenn du eine Ersthelfer-Ausbildung hast. Ich kann nur jedem empfehlen, seine Unsicherheiten mit einem Kurs zu beseitigen. Der größte Fehler, den du machen kannst, ist in solch einer Situation nicht zu handeln. Deshalb macht alle regelmäßig einen Erste-Hilfe-Kurs.

Welche Vorteile bietet solch eine intensive Vorbereitung durch den Besuch von Kursen, Fortbildungen oder Besprechungen für die folgenden Dreharbeiten? Kann es vielleicht zu einem Fluch werden und Sie blockieren als Schauspieler im Spiel?

Ich sehe es ganz und gar nicht als Fluch, sondern eher als Segen. Man muss bedenken, dass die Drehbuchautoren nicht jede kleinste Feinheit vorab definieren können. Das ist völlig normal, weil sie keine Bergretter sind oder die Gegebenheiten vor Ort nicht genau kennen. Gerade solche Details, wie zum Beispiel eine Trage je nach Verletzung getragen werden muss, kann ich während der Dreharbeiten dadurch einbringen. Ich finde, es gibt nichts Schlimmeres, als das der Zuschauer durch solche kleinen Fehler irritiert wird. Deshalb ist es für mich und meine Arbeit sehr förderlich, mich genaustens mit der Bergrettung auseinanderzusetzen. 

Was reizt Sie besonders an den „Bergrettern“?

Ganz klar, dass ich permanent an einem Bogen, der über die 90-Minuten eines klassischen Filmformats hinausgeht, arbeiten kann. Diese intensive Arbeit an einer Figur macht mir enorm viel Spaß. Bei den „Bergrettern“ ist es natürlich auch die Kombination von Bergen und der Natur. Das, was ich in meinem Privatleben auslebe, mit der Arbeit kombinieren zu können, ist großartig.

Feerdinand Seebacher, Luise Bähr und Robert Lohr in "Die Bergretter"

Zusammen mit seinen Kollegen Luise Bähr (Mitte) und Robert Lohr (rechts) begeistert Ferdinand Seebacher (links) seit letzter Woche die Zuschauer. Foto: ZDF/Walter Wehner

Sie sind in den Bergen zu Hause. Für alle die noch nie Bergsteigen waren, worauf ist besonders zu achten?

Es gibt verschiedene Sorten von Klettern. Ich mache überwiegend das Sportklettern, allerdings ohne Wettbewerbsziel. Das ist quasi ein Klettergarten im Felsen, wo du festgesetzte Routen hast und dich an den Bohrhaken mit den Exen einhängen kannst. Da kannst du gut an deinen Skills arbeiten und hangelst dich durch die verschiedenen Schwierigkeitsgrade immer weiter voran. Das Hochalpinklettern besteht darin, dass du Mehrseillängenrouten absolvierst. Der Steinerweg in der Dachsteiner Südwand ist zum Beispiel mit eine beliebte Route dafür. Dort gehst du unten am Fuße des Dachsteins weg und wenn du die 27 Seillängen überstanden hast, spuckt es dich oben am Gipfelkreuz aus. Dort kannst du eine wunderschöne Aussicht nach dem Aufstieg genießen. Ich versuche immer eine gute Mischung aus dem Sport- und Hochalpin Klettern zu machen. Vor allem nach den Dreharbeiten gehe ich gerne in der Silberkarklamm die klassischen Klettersteige hoch und trinke zum Abschluss noch etwas auf der Hütte. Das ist super zum Entspannen und diese Routen kannst du durchaus ohne Kletterpartner klettern. Worauf du beim Bergsteigen immer achten musst, ist das Wetter. Wenn das nicht mitspielt, darf man nie auf den Berg hinauf. Viele Touristen vergessen dies oftmals oder hören nicht darauf, was ihnen die Einheimischen raten. Das bringt sie unnötig in Gefahr.

Sie sind bestens mit den Tücken des Wetters in Schladming und der Umgebung vertraut. Wie motivieren Sie sich, bei minus 20 Grad Celsius vor der Kamera zu stehen?

Ich bin ein Eisbär (lacht). Der Sommer ist für mich eine Katastrophe. Minus 20 Grad ist für mich wie der Sommer für andere. Mir ist sehr selten kalt. Wenn mir bei solch einer Temperatur der Wind um die Ohren peitscht, fühle ich mich sehr wohl (lacht).

Ferdinand Seebacher und Tessa Mittelstaedt in "Die Bergretter"

Ferdinand Seebacher (links) und Tessa Mittelstaedt (rechts) drehten für die Folge „Mutterglück“ in einer traumhaften Kulisse. Foto:ZDF/Hardy Spitz

Am 14. November 2019 wird die zweite Folge „Tod am Dachstein“ der neuen Staffel um 20:15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. In der vergangenen Woche haben bereits Sebastian Ströbel und Gundula Niemeyer, beeindruckende Einblicke in Ihre „Bergretter“ Welt gegeben.

 

„Die Bergretter – Tod am Dachstein“

(pm) – Markus Kofler wird von dem Ehepaar Maike und Daniel für eine Bergwanderung engagiert, bei der Maike schon nach kurzer Zeit spurlos verschwindet. Die beiden Zurückgebliebenen sind ratlos und machen sich sogleich auf die Suche nach ihr. Als sie an einem Hang schließlich nur noch Maikes Handy und ihren Rucksack finden, ist der erfahrene Bergretter Markus sofort alarmiert. Ist die junge Frau auf dem Weg zurück zur Station abgestürzt? Dabei will die Wanderin Margarete Huber sie gerade noch beim Abstieg gesehen haben. Markus bleibt nichts anderes übrig, als seine Kollegen einzuschalten, während sich Daniel an die Polizistin Jessika Pollath wendet. Schnell ergeben sich einige Ungereimtheiten, die alle Beteiligten ins Stutzen bringen: Hat Maike ihr Verschwinden nur vorgetäuscht, oder steckt am Ende sogar ihr Ehemann dahinter? Markus macht sich gleichzeitig große Vorwürfe, dass Maike ausgerechnet seit seiner Tour vermisst wird. Dass er sich auf der Suche nach ihr einmal mehr in direkte Lebensgefahr bringt, ist für Katharina Strasser kaum zu ertragen – der Tod ihres Ex-Freundes Thomas und der Verlust ihres ungeborenen Kindes belasten sie noch immer schwer. Die Einsätze werden immer mehr zur Zerreißprobe für ihre Beziehung.